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Die Religion der Semiten
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98 Drittes Kapitel. Die Beziehungen der Gottheiten zu Naturclingen etc.

on'üt», die haarigen Dämonen, und das Nachtgespenst D'^b entsprechen genauden arabischen ginn, s. Wellhausen, Heidentum, p. 135 [148 ff.].

Die Hauptsache ist jedoch, dass die barbarische Naturauffassung, diePflanzen und Tieren Vernunft, sowie übernatürliche oder dämonische Eigen-schaften beilegt, ebenso bei den Nordsemiten wie bei den Arabern nachweis-bar ist. Man findet, dass die rohe Anschauung in Verbindung mit Zauber-bräuchen beständig fortgelebt hat, nachdem sie in der eigentlichen Religion zu-rückgedrängt war. Die Formen des Aberglaubens im Volksleben der modernenLänder sind gegenüber denen dieser rohesten Völker nicht sehr viel weiter fort-gebildet [s. Wellhausen, Heidentum 2 , p. 147]. So steht es auch bei den Semiten,die magischen Bräuche und der volkstümliche Aberglaube sind nicht so sehrUeberreste des höheren, officiellen Heidentums der grossen Cultusstätten, alsvielmehr einer tieferen, primitiveren Stufe der Religion, die im heidnischenCultus zwar verdunkelt, aber nicht aufgehoben wurde. Die Naturauffassungaber, die die semitische Zauberei beherrscht, entspricht genau der Anschauung,die dem arabischen Ginnenglauben zu Grunde liegt. Von den magischen Bräuchender alten Syrer, die noch lange nach Einführung des Christentums bestanden,sind einzelne Beispiele in den Canones des Jakobvon Edessa erhalten :39 .Einer von diesen bestand darin, dass man die Wurzel einer gewissen Dornart,genannt ishiak, ausgrub und ihr ein Opfer darbrachte, indem man bei derWurzel, die als Gast bei dem Feste behandelt wurde, ass und trank (Quaest. 38).Eine andere Pflanze mit dämonischer Kraft ist bei den Nordsemiten derBaaras, den Josephus, bell. jud. VII, 6. 3 beschreibt. Die Pflanze weicht vorsolchen zurück, die sie zu ergreifen suchen, und ihre Berührung ist todbringend,solange ihre Wurzel noch in der Erde ist. Diese Pflanze scheint die Alraun-wurzel zu sein (arab. jabrüh), von der die Araber ähnliches erzählen und die auchdie alten Germanen von einem Geist bewohnt dachten. Wenn in der ParabelJothams (Rieht. 9, 815) die Pflanzen wie Menschen sprechen und handeln,so ist das lediglich Personifikation. Aber der Streit zwischen der Malve undAlraunwurzel, den Maimonides aus dem gefälschten Werk Nabatäischer Land-bau" (Chwolsohn, Die Ssabier, II, 459. 914) mitteilt, der die Malve daranhindert, ihren Propheten mit Antworten zu versorgen, ist ein ursprüng-liches Stück altsemitischen Glaubens. Bei derartigen Dingen ist nicht zu be-zweifeln, dass auch ein Fälscher volkstümliche, religiöse Vorstellungen genaudarstellt. Was die Tiere anlangt, so ist das dämonische Wesen der Schlangeim Garten zu Eden unverkennbar; die Schlange ist nicht nur eine zeitweiligeVerkleidung des Satan, sonst würde ihre Bestrafung sinnlos sein 140 . Zaubereimittelst Schlangen, die im alten Testament öfter erwähnt wird, steht alsomit dem dämonischen Charakter des Tieres in Zusammenhang. Allgemeinberuht die Vorstellung, dass Tiere durch Zauber gebändigt und so z. B. an derSchädigung von Herden oder Weinbergen verhindert werden können (Jakob vonEd. Quaest. 46), auf der gleichen Anschauung; denn die Macht des Zauberersherrscht über die Dämonen und solche Wesen, die den Dämonen unterworfen sind.

139) Syrischer Text: P. de Lagarde, Reliquiae iuris eccles. antiq. (1856).Uebersetzung von Kay sei-, Die Canones Jakob's von Edessa (1886).

140) In Legenden von syrischen Heiligen ist die Gestalt, die der Satan anzu-nehmen gezwungen ist, wenn man ihm mit dem Namen Christi oder dem Zeichen desKreuzes entgegentritt, die einer schwarzen Schlange, s. Mar Kardagh, ed. Äbbeloosp. 39. Ho ff mann, Syrische Akten persischer Märt. p. 76.