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Die Religion der Semiten
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Der Totemisinus. 91

Gestalt scheint meist die einer niedrigeren Tierart zu sein, oder sie ist einemonströse Zusammensetzung von Tiergestalten, wie sie noch in späterer Zeitin der Beschreibung der 420 Arten, die dem Salomo vorgeführt wurden, er-scheinen 122 . Aber das Streben, den Geschöpfen, die mit Vernunft und Sprache"begabt sind, auch menschliche Gestalt zu verleihen, macht sich unwidersteh-lich geltend, sobald sich die Menschen über den Zustand der völligen Un-cultur erhoben haben. Und wie sich die Tiergötter in anthropomorphe Gott-heiten umgestalten, die als auf Tieren reitend oder anderweit mit ihnen ver-bunden dargestellt werden, so werden auch die Ginnen als Wesen von mensch-licher Gestalt vorgestellt, und die Tiere, die nach der ursprünglichen Auf-fassung übernatürliche Wesen waren, erscheinen als die Tiere, auf denen siereiten 123 . Endlich waren die einzigen Tiere, die unmittelbar und anhaltend

mit den Ginnen identifiziert wurden, die Schlangen und anderes schädlicheskriechendes Getier. Die Autorität gewisser Aeusserungen des Propheten warenfür diese Einschränkung mit von Einfluss 124 . Doch ist es auch ganz natür-lich, dass diese Geschöpfe, vor denen die Menschen überall eine besondereFurcht haben, die sich, nachdem die wilden Tiere in die Wüste vertriebenwaren, noch dauernd in menschlichen Wohnungen aufhielten und sich viel-fach als gefährlich zeigten, zuletzt von allen Tieren ihres übernatürlichenCharakters entkleidet wurden 125 .

Demnach zeigt sich, dass noch in neueren Berichten die Ginnen und

den Versen, in denen er seinen Feind beschreibt, scheint hervorzugehen, dass die an-gebliche Ghül ein katzenartiges Raubtier war. Bei Darairi II, 212, letzte Zeüe, erscheinteine Ghül in Gestalt einer stehlenden Katze.

122) Kazwini, I, 372 f. Auch wenn sie in menschlicher Gestalt erscheinen,haben sie irgend ein tierisches Merkmal, z. B. eine haarige Hundspfote statt der Hand.Damiri, II, 213, Z. 22.

123) Die Erzählungen, in denen die Ginnen in dieser Fonm erscheinen, sindoffenbar spät. Wenn ein Dämon auf einem Wolf oder Strauss reitend erscheint, umseine Meinung über die Verdienste der arabischen Dichter zu äussern (Agh. VIII, 78.IX, 163. s. Wel lh au s e n, Heidentum, p. 137), so haben wir es mehr mit litterarischerFiction als mit ursprünglichem Glauben zu thun. Aehnlich ist die Erzählung von einerghül, die auf einem Strausse reitet (K az wi ni I, 373 f.) nur eine erbauliche muslimischeGeschichte. Diese Erzählungen stehen in scharfem Widerspruch mit der ursprünglichen,alten Sage, bei Maidäni, I, 181, wo der Dämon wirklich ein Strauss ist. Der Ueber-gang zu der anthropomorphen Auffassung tritt uns in der Erzählung von Taäbbata

Sarran entgegen, wo das als ghül bezeichnete Ungeheuer eines der wilden Tiere der

ginnen ist. Die Reittiere der ginnen sind sehr verschiedener Art: der Schakal, die Ga-zelle, das Stachelschwein, als ungewöhnlich wird es erwähnt, dass der Hase nicht unterihnen ist (Sihäh, s. v. R a s m u s s e n, Additam. p. 71, Z. 14), weshalb aus Teilen BeinesKörpers Amulette gemacht werden. (ZDMG. 39, 329.) Prof. de Goeje hat dazu einenBeleg aus Zamahsari, Fäik, I, 71 beigebracht:Unkundige Leute halten die wilden Tiere

für das Vieh der Ginnen und meinen, dass jemand, der einem wilden Tier begegnet,von geistiger Störung befallen wird". Die lähmende Wirkung des Schreckens wird aufeine übernatürliche Macht zurückgeführt. Vergl. damit Aristoteles, Mirab. Ausc. 145:Es soll in Arabien eine Art Hyäne geben, die, wenn sie ein Tier zuerst sieht (bevorsie selbst gesehen wird, vergl. P1 a t o, Rep. I, p. 336 D; Theocrit, XIV, 22; Ver gil,Ecl. IX, 54) oder wenn sie auf den Schatten eines Menschen tritt, das betr. Tier oderden Menschen der Stimme und der Bewegung beraubt."

124) [WeUhausen, Heident. 2 p. 153.]

125) Die Schlange ist überall ein Gegenstand religiösen Aberglaubens. Ueberreligiöse Verehrung vonkriechendem Getier" bei den Nordsemiten im allgemeinen s.Hes. 8, 10. Der Eid bei allen kriechenden Tieren (hanas) zwischen den zwei Harraserscheint bei Ibn Hisam 10, Z. 14. Tabari, I, 911. 20 in einer unechten Nachbildung desStils der alten Wahrsager.