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Die Religion der Semiten
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Die Wohnungen oder Sitze der Götter. g^

mag, unfraglich bestand schon von Anbeginn an die Vorstellung, dass siebestimmte Wohnstätten oder Sitze inne hatten, an denen sie von ihren An-hängern, mit denen sie in festen Beziehungen standen, gefunden werden konnten.Wir dürfen nicht a priori behaupten, dass dieser Wohnsitz notwendig eineStätte auf der Erde gewesen sein müsse; denn wie es Vögel unter dem Himmelund Fische im Meer ebenso wie Tiere des Feldes giebt, konnte es Himmelsgott-heiten und Götter der Gewässer unter der Erde wie Götter des Landes gebenund in der That hat es solche gegeben. Li späteren Zeiten nahmen die Himmels-götter die vorherrschende Stellung ein, wie sich schon aus dem Vorwiegen desBrandopfers ergiebt, bei dem die Verehrung des Opfernden in der duftendenRauchsäule, die vom Altar zum Sitz der Gottheit im Himmel emporsteigt, nachaufwärts gerichtet ist. Nicht alle Opfer aber werden durch Verbrennen darge-bracht. Die Griechen begruben besonders in älterer Zeit die den Götternder Untenveit geweihten Opfer; Opfergaben, die für die Gottheiten des Meeresund der Ströme bestimmt waren, warfen sie ins Wasser. Beide Formen desfeucrloscn Opfers finden wir ebenso bei den Semiten. '. Unter den Arabernwaren die Brandopfer fast unbekannt, und die von den Verehrern der Gottheitdargebrachten Gaben wurden einfach im heiligen Bezirke niedergelegt, aneinen heiligen Baum gehängt oder wo es sich um Trankopfer und dasBlut von Opfertieren handelte auf einen heiligen Stein ausgegossen. Insolchen Fällen haben wir die Vorstellung von der Verknüpfung der Gottheitmit einer Oertlichkeit in ihrer einfachsten Form. Auf der Erdoberfläche isteine bestimmte Stätte, die durch einen heiligen Baum oder heiligen Stein be-zeichnet ist, wo der Gott gefunden zu werden pflegt, und wo dort niederge-legte Opfergaben an ilm gelangen.

In späteren Zeiten war der Sitz oder das Heiligtum des Gottes ein Tempeloder wie es die Semiten bezeichnen einHaus" oder einPalast".I In der Regel aber war das Heiligtum älter als der Tempel; der Gott nahmnicht seinen Wohnsitz an einer Stätte, weil ihm dort ein Haus errichtet war;vielmehr erbauten die Menschen, sobald sie für sich selbst Häuser zu erbauengelernt hatten, ihrem Gotte an d e r Stätte ein Haus, die sie bereits als seinenWohnsitz kannten. Als die Bevölkerung anwuchs und die Zahl der Tempelsich vergrösserte, fanden sich naturgemäss Mittel, um diese Regel zu um-gehen; neue Heiligtümer wurden an solchen Punkten errichtet, die für dieVerehrer am günstigsten lagen. Aber auch in solchen Fällen wurden Formenbeachtet, in denen sich aussprach, dass ein Tempel passender Weise nur aneiner von der Gottheit selbst bestimmten Stätte errichtet werden konnte.Die grössten und heiligsten Cultusstätten waren die, von denen man einer un-bestrittenen Ueberlieferung zufolge wusste, dass der Gott sie seit unvordenk-lichen Zeiten besuchte.

Dass die Götter bestimmte Orte bewohnten, die infolge dessen heiligeund für den Cultus geeignete Stätten waren, war für die Menschen des Alter-tums keine Theorie, sondern eine durch die Tradition von Geschlecht zu Ge-schlecht überlieferte Thatsache, die ohne daran zu zweifeln gläubig aufge-nommen wurde. Demgemäss finden wir auch, dass neue Cultusstätten sichnur dort bilden, neue Tempel oder Altäre nur dort errichtet werden, wo derGott einen unverkennbaren Beweis seiner Anwesenheit gegeben hat. Einvoraufgehendes Anzeichen ist alles, was für die Begründung eines semitischen

Smith, Eeligion. 6