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Die Religion der Semiten
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Der Ba'aloultus in Arabien. 79

wert ist auch, dass die theophoren Namen unter den Arabern, in denen sichreligiöse Anschauungen aussprechen, die mit denen der sesshaften Semitenmeist verwandt sind, von Gottheiten abgeleitet sind, deren Cultus weit ver-breitet und nicht auf die Nomaden beschränkt war. In einem späteren Ka-pitel wird sich ferner zeigen, dass der Grundtypus des arabischen Opfers nichtdie Gestalt einer Abgabe an den Gott annahm, sondern dass das Opfer einAkt war, in dem sich die Gemeinschaft mit dem Gott ausdrückte. Die Dar-bringung der Erstlinge, die in der kanaanitischen Religion eine so bedeut-ende Rolle spielt, ist in Arabien gewiss nicht unbekannt. Aber diese Auf-fassung des Opfers tritt hier sehr wenig hervor. Wir finden nicht, dass essich der Zahlung eines festen Tributes an die Gottheit nähert; die Festopferzu bestimmten Jahreszeiten, die für eine Religion, welche die Götter als Quelleder jährlichen Erneuerung der natürlichen Fruchtbarkeit betrachtet, bezeich-nend sind, scheinen auf die grossen Heiligtümer beschränkt gewesen zu sein,an denen die Nomaden nur als Pilger vor einem fremden Gott erschienen 107 .Bei diesen Wallfahrten mögen die nomadischen Araber den Namen Baalkennen gelernt haben; aber sie konnten die Auffassung des Gottes als Besitzersdes Landes nicht ihren Vorstellungen anpassen und auf ihre eigenen Stammes-gottheiten übertragen, aus dem einfachen Grunde, weil in der Wüste privaterLandbesitz unbekannt und das Recht auf Wasser und Weide allen Stammes-genossen gemeinsam war 108 . Um aber den Einfiuss des Ackerbaus und dermit dem sesshaften Leben verknüpften Anschauungen auf die arabische Re-ligion ermessen zu können, müssen wir uns erinnern, dass schon in den Jahr-hunderten vor Muhammad die Götter des madar (derErdscholle'', d. h. dieGötter der Dorfbewohner und Städter) die Götter des ivabar (des Haars" oder Tierfells", d. h. die Götter derer, die in Zelten aus Haartuch oder Fellen wohnen,der Beduinen) verdrängt hatten. Bei weitem der wesentlichste Teil der religiösenBräuche unter den Nomaden bestand in Wallfahrten zu den grossen Heilig-tümern der arabischen Städte; auch die kleineren Heiligtümer, die nur voneinzelnen Stämmen besucht wurden, scheinen oft an Orten gegründet zu sein,wo ein gewisser Anfang sesshaften Lebens gemacht war. Wo der Gott einHaus oder einen Tempel hatte, erkennen wir darin stets das Wirken derMenschen, die nicht länger blosse Nomaden waren, sondern bereits feste Wohn-sitze zu gründen begonnen hatten. Neuere Beobachtung hat in der That ge-zeigt, dass ein arabischer Stamm, der sesshaft zu werden anfängt, sich be-reits die Elemente der Landwirtschaft zu eigen gemacht hat, bevor er seine

um Regen hervorzubringen, angewandt wurden, s. Wellhausen, Heident. p. 157.- DieseZeugnisse beweisen nicht, dass die Götter niemals als Regenmacher angerufen wurden,aber sie machen es im höchsten Grade unwahrscheinlich, dass sie gewöhnlich als solchegedacht wurden.

107) Wellhausen, Heidentum, p. 116.

108) Wir werden im nächsten Kapitel sehen, dass die Institution des himä oderdes heiligen Weidelands nicht auf der Idee des Eigentums, sondern auf dem Principdes Tabu beruht. Ein Hauptargument für das Alter des Baalcultus in Arabien hat manin dem denominativen Verbuni ba'ila = alika gesehen, das bedeutetin einem Zustandehilflosen Entsetzens oder bestürzt sein", wörtlichvon Baal erschreckt sein". SolcheWirkungen sind indes natürlicher dem Einfiuss eines fremden Gottes als der Stammes-gottheit zuzuschreiben, und man darf wohl annehmen, dass das Wort ursprünglich dieBestürzung und das verwirrte Erstaunen des Beduinen ausdrückte, wenn er sich beieinem grossen Feste an einem Wallfahrtsorte mitten unter fremden Bräuchen und beimCultus einer sesshaften Bevölkerung befand. Vergl. das äthiopische ba'älFest".