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Die Religion der Semiten
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Der Ba'alcultus in Arabien. 77

Diese kurze Skizze der Entwickelung der Idee localer Eaalim bedarf inmanchen Punkten noch der Bestätigung oder der Ausführung im Einzelnen,die wir einer späteren Darstellung der Einzelheiten ihres Cultus vorbehalten.Hier müssen wir noch gänzlich davon absehen, auf den Einfmss einzugehen,den die Vorstellung von den Baalim als stetig erzeugenden Mächten auf die Aus-gestaltung einer in hohem Grade sinnlichen Mythologie ausübte, besondersseitdem die Götter nach den Geschlechtern geschieden wurden, wobei der Baalals das männliche, erzeugende Prinzip aufgefasst wurde, als der Gatte desLandes, der es befruchtete 102 . Diese Anschauungen gehören vielmehr in eineErörterurfg über die Natur der Götter.

Indes ist zu beachten, dass die dargestellte Entwickelung der Vorstel-lungen nur für die Bevölkerung eines Ackerbau treibenden Landes Geltung hat,wie für die Kanaans, Syriens und des Irak einerseits, die Jemens andrerseits.In diesen Teilen des semitischen Gebietes ist die Auffassung der localen Gott-heiten als Baalim die vorherrschende, obgleich sich die Spuren des Ba'l alsTitel einer Gottheit in verschiedenen Formen auch in Inner-Arabien finden 108 .

Der Ba'alcultus in Arabien.

In den inneren Gebieten Arabiens war der Ackerbau auf die Oasen be-schränkt, und der mit ihm zusammenhängende Wortschatz war hauptsächlichden Nordsemiten entlehnt 104 . Viele Jahrhunderte vor den ältesten littera-rischen Aufzeichnungen der Araber, als die grosse Strasse des orientalischenHandels durch die Wüste führte, hatten die Colonisten von den ansässigenSemiten, Jeminiten und Aramäern die Oasen und Wasserplätze der Wüste besetzt,die als Handelsstationen geeignet waren, und auf diese Einwanderer ist die Ein-führung des Ackerbaus und auch der Dattelpalme zurückzuführen., Die am höchstenentwickelten Culte Arabiens finden sich nicht unter den reinen Nomaden, sondernin diesen Ackerbaucolonien und Handelsniederlassungen, die die Beduinen nur

geholfen oder ihre Bitten erhört hat, z. B. hebr. : Azarja, Semaja phön.: Has-drubal, Esmunazar. ef. Gen. 29. 30. 1. Sam. 1. Endlich finden sich eine Reihe vonNamen wie Jehawbaal =Baal gab Leben". (CIS. I, No. 69) Kemosjehi =Kemos gabLeben" (de Vogüe, Melanges, p. 69). Die grosse Fülle von Göttern, die in phönicischenNamen dieser Art erscheinen, zeigt, dass Kinder als ein Geschenk aller Baalim, jedes inseinem Bereiche, galten. Vergl. Hos. 1. Ps. 127, 3.

102) Diese Vorstellung tritt bei H o s e a (2, 16) hervor und liegt dem Bilde Jes. 62, 4zu Grunde, wo das mit Jahwe vermählte Land (be'ülä) zur Wildnis im Gegensatz steht.Wellhausen, Heidentum, p. 170. [Auch Städte werden mit der Braut oder der Gattinverglichen; der Beherrscher ist der Bräutigam oder Gatte, s. Jes. 62, 5. Sehr häufigfindet sich dieser Vergleich bei den Arabern, s. Graf Schack, Poesie und Kunst derAraber in Spanien und Sicilien. II, 117 ff. Aehnlicbes in spanischen Romanzen, s. G. J a-c o b, Altarabische Parallelen zum AT., p. 16.] Diese Anschauung entwickelte sich ganznaturgemäss aus den oben dargestellten Ideen, unfraglich aber wurde sie noch begünstigtdurch den Gebrauch des Wortes ba'al fürEhemann". Wie ba'al diese Bedeutung ge-wonnen hat, ist nicht völlig ersichtlich. Die Bezeichnung steht sicher mit der Mo-nandrie und der Zugehörigkeit des Weibes zu ihrem Ehegatten in Zusammenhang, aberer drückt kein sklavisches Verhältnis aus; denn die Sklavin nennt ihren Herrn nichtla'äl. Vielleicht liegt die Lösung der Präge in der Vorstellung, dass das Weib der Ackerihres Ehemannes ist (Koran, S. 2, v. 233), in welchem Falle private Rechte am Landeälter sind, als ausschliessliche Rechte des Ehemannes.

103) s. Nöldeke, ZDMG. XI (1886), p. 174. Wellhausen, Reste arab. Heidentums,p. 170.

104) Franke!, Aram. Fremdwörter im Arabischen, p. 125.