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Die Religion der Semiten
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76 Drittes Kapitel. Die Beziehungen der Gottheiten zu Naturdingen etc.

Baalim der Phönicier ihre berühmtesten Sitze an den Quellen der heiligenStröme hatten, so erblickten ihre Verehrer darin einen sichtbaren Beweis, dassdie Götter der Quellen und Flüsse auch die Spender des Regens seien. Inder spätesten Entwickelungsphase der phönicischen Religion, als die Göttergewöhnlich als Himmels- oder Sterngottheiten gedacht wurden, waren dieheiligsten Cultusstätten immer noch die der ursprünglichen Quellen- oderFlussgötter, und sowohl die cultischen Bräuche wie die heilige Sage bezeugtennoch den ursprünglichen Charakter dieser Götter. Beispiele dafür werdenuns noch in grosser Anzahl begegnen; zunächst mag es genügen, auf denCultus von Aphaka hinzuweisen, in dem die Urania oder Himmelsgöttin da-durch verehrt wurde, dass in den heiligen See Opfergaben geworfen wurden,und wo die Sage erzählte, dass die Göttin einmal im Jahre in Gestalt einesherabfallenden Sterns in die Fluten herabstieg 99 .

Die Ba'alim als Spender der Fruchtbarkeit.

Die lebenspendende Macht des Gottes beschränkte sich aber nicht aufdie Pflanzenwelt; ihm wurde auch jeder Zuwachs an animalischem Leben zu-geschrieben, die Vermehrung der Herden und nicht zum wenigsten das An-wachsen der menschlichen Bewohner des Landes. Denn das Wachstum be-seelten Lebens ist im letzten Grunde offenbar durch die Fruchtbarkeit desBodens bedingt, und tiefstehende Völker, die die verschiedenen Formen desLebens noch nicht scharf zu unterscheiden vermögen, betrachten das Lebender beseelten Wesen ebenso wie das der Pflanzen als in der Erde wurzelndund aus ihr hervorwachsend. Für die meisten mythologischen Systeme istdie Erde die grosse Mutter aller Wesen, und der Vergleich zwischen demLeben der Menschheit oder eines Stammes mit dem Leben eines Baumes, der inder semitischen wie in jeder anderen primitiven Poesie so gebräuchlich ist, istseiner ursprünglichen Bedeutung nach kein blosses Bild. Wo das Gedeihen derPflanzen einer besondern göttlichen Macht zugeschrieben wird, empfängt die-selbe Macht von Seiten ihrer Verehrer auch Dank und Verehrung für das An-wachsen der Herden und der Menschen. An der Cultusstätte der Baalim wur-den die Erstgeburt des Viehs wie die Erstlingsfrüchte dargebracht 100 , undeinige der gebräuchlichsten Personennamen, mit denen Eltern ihre Söhne oderTöchter benennen, bezeichnen das Kind als Gabe des Gottes 101 .

99) S o z o m e n u s , II, 5. Vergl. Philo von Byblus (Fragin. Hist. Graec. III,569): Astarte -weihte auf der heiligen Insel von Tyrus einen vom Himmel gefallenen Stern.

1 00) Wir werden weiterhin sehen, dass das Opfer der Erstlinge älter war als dieReligion des Ackerbaus, und dass sie ursprünglich kein Tribut waren, wie die Erstlings-früchte. In den Baal-Religionen aber wurden beide unter die gleiche Anschauung gestellt.

101) Hierhin gehören vor allem die zahlreichen Eigennamen, die mit Formen derStämme |I"0 oder |ITgeben" zusammengesetzt sind: hebr.: Jonathan, Mattanjah

p h 8 n i c.: Baaljathon, Mutumbal (Plautus, Poen. V, 2) als Masc. und Fem. n a b a t.:Xosnathan (Euting, nabat. Inschr. No 12). Sodann die arabischen Namen, die ge-bildet werden durch Beifügung eines Gottesnamens zu Wahb, Zaicl, vielleicht auch Aus=Gabe des N. N." Dem sind solche Namen verwandt, in denen die Geburt einesSohnes als ein Beweis der göttlichen Gnade anerkannt wird, z. B. hebr.: Hananjah,Johanan p h ö n. : Hannibal, Nu'ammilkath (CIS. I, No. 41). e dorn it..: Baal-Hanan (Gen. 36, 38) a r a b.: Na^X») == Gnade Eis - 1 (Waddington 2143), Auf-Elgünstiges Zeichen von El", OuaSäyjXo;Liebe Eis" (Waddington 2372). Dazu ge-hören auch solche Namen, die die Vorstellung ausdrücken, dass der Gott den Eltern