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Die Religion der Semiten
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Der ursprüngliche Sinn des AusdrucksLand des Ba'al". 71

Das Zeugnis der Araber bestimmt uns also, die lebenspendende Thätig-keit des Ba'l oder Ba'al nicbt mit dem Regen des Himmels, sondern mitQuellen, Flüssen und Untergrundwasser zu verbinden. Andrerseits ist unver-kennbar (z. B. aus den Angaben des Hosea), dass der Ackerbau treibendenBevölkerung von Kanaan die Baalim als Urheber aller Erträge des Landesgalten, auch der Getreideernten, die m den meisten Teilen Palästinas vomRegenfall durchaus abhängig war. Hier finden wir auch denBaal desHimmels" (Baal-samaim) nebst solchen localen Gestalten wie Mama , demHerrn des Regens", zu Gaza 92 . So erhebt sich denn hier die Frage, ob dieursprüngliche semitische Anschauung vom Machtbereiche des Baal auf demBoden Arabiens im Anschluss an die besonderen klimatischen Verhältnisse um-gestaltet ist, oder ob vielmehr die Auffassung des Baal als Gott des Regensein jüngeres Gebilde ist.

Diese Frage würde leichter zu entscheiden sein, wenn wir sicher wüssten,ob der Gebrauch von Ba'al oder Ba'l als Titel der Gottheit in Arabien ein-heimisch ist, oder ob er von den Ackerbau treibenden Semiten ausserhalbder arabischen Halbinsel entlehnt ist. Bei der ersten Annahme, die voneinigen der ersten Forscher unserer Zeit, wie Wellhausen und Nöldeke, ge-teilt wird, müsste der Ba'al-Cultus für älter als die Trennung der Semiten inStämme gehalten werden; er müsste einer Zeit angehören, da die Semitennoch als Nomaden lebten. In diesem Falle dürfte kaum bezweifelt werden,dass die Araber, die das alte semitische Leben in seiner Ursprünglichkeit ammeisten bewahrt haben, auch die ursprüngliche Auffassung vom Wesen desBa'al am treuesten festgehalten haben. Mir persönlich erscheint als das Wahr-scheinliche, dass Ba'al als Titel einer Gottheit zusammen mit der Dattelpalme

Buchäri II, 122, wo ich es allein gefunden habe) ein durch einen Kanal (ütür) künstlich be-wässertes Land. Das ist indes eine blosse Vermutung; denn die ältesten und bestenarabischen Gelehrten scheinen das Wort nicht sicher verstanden zu haben ; aber sie istwenigstens der Annahme vorzuziehen, dass 'atari und 'idj identisch seien. Denn eine

Vergleichung der oben mitgeteilten Traditionen zeigt, dass 'atari entweder ein Syno-

nymon von ba'l ist oder eine besondere Art desselben. Ueberdies können die Oasen imWadi Sirhän, die Guarmani (p. 209) v Etera" undL a dy Anne Blun t, Pilgrimageto Nejd, I, 89 ff.Itlieri 1 schreibt, kaum etwas anderes sein als das alte 'Atari in mo-derner Aussprache. 'Atari, wofür einige gute Gewährsmänner auch 'Attari (s. Lisäns. v.) angeben, scheint also zu bedeuten , dem 'Attar gehörig", einem südara-bischen Gotte, der dem Namen, aber nicht dem Geschlechte nach, der babylonischenIstar, der phönizischen Astarte, der aramäischen 'Athar oder Attar entspricht. 'Athtarist einer der südarabischen Götter, der über die Bewässerung gebietet. (CIS. IV, vergl.ZDMG. 37, 371). Auch die Oertlichkeit des Athtar wird als ein von Löwen bewohntesDickicht beschrieben. (Bänat Su'äd, 46.)

Die vom Regen abhängigen Ernten sind in den meisten Teilen Arabiens so un-erheblich, dass einzelne Entscheidungen des Propheten sie gänzlich übergehen und nurbestimmen, dass der saih den vollen Zehnten entrichtet (Ibn Sa'd, No. 68). So ist leichtbegreiflich, wie in weniger genauer Ausdrucksweise die Bezeichnung ba'l a potiori aufalle Ernten angewandt wird, die nicht künstlich bewässert sind. Als sich aber dieHerrschaft des Islam über Gebiete von reichlicherem Regenfall ausdehnte, verdunkeltesich der eigentliche Sinn von ba'l. Die Ernten in Palästina, die genau bezeichnet a'dhäsind (Abulfeda, ed. Reinaud, p. 227) und die Ernten im Gebiet von Alexandria, die inden vom Nil zurückgelassenen Schlamm gesät werden, werden von Mukaddasigleicherweise alsauf dem ba'l" bezeichnet. Dies steht aber mit dem alten klassischenGebrauch nicht in Einklang.

92) Procopius von Gaza, III, 19, bei Galland, Vol. IX:dominus imbrium".