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Die Religion der Semiten
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70 Drittes Kapitel. Die Beziehungen der Gottheiten zu Naturdingen etc.

Aber abgesehen vom äussersten Süden, der sich in die Zone des Monsun er-streckt, ist er zu unregelmässig, um für die Entwickelung des Ackerbaus dieVoraussetzungen zu schaffen. Gelegentlich mag nach reichlichem Regen ingewissen Gegenden eine Ernte von Kürbissen oder Melonen gewonnen werden;in niedriger gelegenen Gebieten, wo der Regen nicht in dem schweren Bodenversinken und nicht abfliessen kann, hält sich bisweilen der Palmbaum undbringt eine trockene, harte Frucht von geringem Werte hervor 89 . Im ganzenaber steht der Gegensatz zwischen von Natur ertragreichem und künstlichbefruchtetem Lande, wie er selbst dem arabischen Ackerbauer entgegentritt,nicht unmittelbar mit dem Regenfall in Zusammenhang, sondern hängt vonder Tiefe des Grundwassers ab. Wo die Wurzeln der Dattelpalme in dasGrundwasser hinabreichen können, oder wo sich aus einer Quelle ein Stromergiesst, dessen Arme eine Oase ohne die mühsame Arbeit des Wasserradesbefruchten, da ist der Boden von Natur fruchtbar; ein solches Land istvomBa'l getränkt". Die zuverlässigsten arabischen Autoritäten geben aus-drücklich an, dass Palmbäume des Ba'l solche sind, die nur vermittelst ihrerWurzeln, ohne künstliche Bewässerung und ohne Regenvon dem Wassertrinken, das der Gott unter der Erde geschaffen hat" 90 . In einer genauenAufstellung alles dessen, was zur Entrichtung des vollen Zehnten verpflichtetist, werden der ba'l und der Himmel neben einander erwähnt, aber nicht alsgleichbedeutend gebraucht 91 .

89) Solche Palmen und der Boden, auf dem sie wachsen, heissen Hdj, Plur. a',die Datteln sind sahh oder Jcasb; s. Al-Azhari's Darstellung über die verschiedenen Artender Dattelpalme im Lisän s. v. ba'l- In den Traditionen, die die Entrichtung des vollenZehnten von Ernten fordern, die durch Regen erwachsen sind, scheint die 'idj besondersin Betracht zu kommen. Denn bei Ibn S a ' d, No. 68, fordert der Prophet keinenZehnten von so unsicheren Erträgen wie Gurken, die auf einem durch Regen getränktenBoden wachsen. Ich ritt 1880 über eine öde Ebene, die an fruchtbarem Boden reichwar, einige Meilen südwestl. von Mekka ; man erzählte mir, dass nach reichlichem Regendie Wüste auf ganze Flächen hin mit Melonen und dergl. bedeckt sei.

90) s. Al-Asma'i und A1 - A z h a r i im Lisän s.v. ba'l. Dieser Artikel und das imGlossar zu de Goejes Belädhori zusammengestellte Material bieten fast alle Zeugnisse.Ich will dem nur noch einen Hinweis auf Ibn Sa' d, No. 119, vergl. mit No. 73 undMakrizi Hitat, II, 129 hinzufügen.

91) Ich gebe hier die entscheidenden Traditionen, die von Sprenger, ZDMG.XVIII sehr ungenau mitgeteilt sind. Die vollständigsten Ausdrücke sind:was vomHimmel und von den Quellen bewässert ist oder 'atari ist". (Buchäri II, 122 Bulaqvokal. Ausg.).Was vom Himmel und den Quellen und dem ba'l getränkt ist" (Mu-watta, p. 94, ed. Tunis).Was vom Himmel und den Quellen bewässert ist oderba'l ist" (Muwatta, p. 95). Kürzere Ausdrücke sind:was vom ba'l getränkt istund was vom Himmel getränkt ist". (Beladh. p. 70), wobei nur "Varianten des Aus-drucks sind:die Flut der Erdoberfläche und des Himmels" (ib. p. 71),die Quellenund der Himmel" (Ibn Hisärn, 956),die Ströme und die Wolken" (Muslim, ed. von A.H. 1290, I, 268). Diese Verschiedenheiten der Ausdrücke werden verständlich, sobaldwir uns den Anblick cultivierter Flächen in einem Thale wie dem Batn Marr vergegen-wärtigen. Das Thal ist ein grosser Wasserlauf, meist aber fliesst das Wasser im Unter-grund, bricht in starken Quellen hervor, wo im Grund eine bedeutende Senkung ist,und fliesst zuweilen eine Strecke in sichtbarem Strom dahin, der in mehreren Armendurch die Palmen und kleinen Kornfelder abgelenkt wird und wieder unter dem Sandeund den Steinen verschwindet. Wo der harte Untergrund eben und der Oberflächenahe liegt, können die Palmen durch ihre Wurzeln trinken, wo kein sichtbarer Stromist. Wo aber der Untergrund tief liegt wie bei Täif ist die Cultivierung nurmittelst des Wasserrades möglich, dann wird die Abgabe auf 5 Procent ermässigt.Wo die Bewässerung durch Rohre oder Kanäle ohne Schöpfwerk durchgeführt wird,gilt das Land noch als natürlich befruchtet und zahlt den vollen Zehnten, s. Gl. Bei.und Ibn Sa'd, No. 119. Nach einer Erklärung bezeichnet das dunkle Wort 'atari (s.