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Die Religion der Semiten
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Der ursprüngliche Sinn des AufdrucksLand des Ba'al". 69

Verfahren bewässert wird, 5 Procent seines Ertrags als Armensteuer, währendein Gebiet, das keine künstliche Bewässerung erfordert, den vollen Zehntenabgiebt. Der letztere kann nach den arabischen Juristen von verschiedenerArt sein, die alle durch besondere Namen bezeichnet werden; sie alle aberwerden in der allgemeinen Bezeichnung zusammengefasst:was der Himmeltränkt und was der Ba'al tränkt".

In ähnlicher Weise machen Misna und Talmud zwischen künstlich be-wässertem und von Natur wasserreichem Lande einen Unterschied, indem siedieses alsHaus des Ba'al" oderGefilde des Hauses des Ba'al" bezeichnen.Wir müssen uns daran erinnern, dass in den orientalischen Ländern der Er-folg des Ackerbaus von der Versorgung mit Wasser mehr als von irgendetwas anderem abhängt und dassdie Belebung des toten Landes" (arab.ihjä äl-mawdt), wodurch, wie wir sahen, das Eigentumsrecht begründet wird,hauptsächlich an die Bewässerung gebunden ist 8G . Der Landwirt versorgtdemgemäss sein Besitztum mit Wasser; wo es aber schon von Natur be-wässert ist, sieht er das Wasser als eine Gabe des Gottes an, der somit alsder Ba'al oder der Herr des Gebietes betrachtet wird.

Der ursprüngliche Sinn des AusdrucksLand des Ba'al".

Es ist allgemein angenommen worden, dass das Land des Ba'al, sofernes zu künstlich bewässerten Gefilden in Gegensatz steht, das durch Regen die Wasser des Himmels", wie die Araber sagen getränkte Land be-zeichnet. Daraus hat man weiterhin geschlossen, dass der Ba'al, der einemvon Natur wasserreichen und fruchtbaren Lande seinen Namen giebt, der Gottdes Himmels (Ba'al samaim) ist, der in der späteren Religion der Semiteneine bedeutsame Rolle spielt und von Philo vonByblus mit der Sonneidentifiziert wird. Bei genauerer Erwägung aber scheint die Anschauung, diefür unser Klima und unsere meteorologischen Kenntnisse natürlich ist, mitden Bedingungen des Pflanzenwuchses in den meisten Teilen der semitischenLänder unvereinbar, wo der Regenfall unsicher und auf bestimmte Zeiten be-schränkt ist, so dass die Erde für den grössten Teil des Jahres nackt undohne Leben daliegt, ausgenommen in Gebieten, wo.sie durch künstliche Be-wässerung oder durch natürliches Durchdringen des Untergrund-Wassers frischerhalten wird. Für uns liegt natürlich klar auf der Hand, dass alle Frucht-barkeit in letzter Linie dem Regenfall zu danken ist, der ebensosehr dieQuellen und die Adern des wasserreichen Bodens wie die Getreidefelder nährt;aber diese Kenntnis fehlte den ältesten Semiten durchaus 87 . Hingegen ist dieUnterscheidung begünstigter Gebiete, die stets grün und fruchtbar sind, undweniger begünstigter Gefilde, die während der regenlosen Zeit ohne Nutzensind, ebenso offenkundig, wie sie schon für die primitivsten Formen des Acker-baus wesentlich ist.

In Arabien ist der Regenfall für das Weideland von grösster Bedeutung 88 .

86) So z. B. Abu Jüsuf Ja'küb, Kitäb al-Haräg. Cairo, A. H. 1302, p. 37.

87) Di 11 mann, Commentar zu Gen. 1,68.

88) Ibn Sa'd, ed. Wellhausen No. 80. Hier siebt Wellh. eine Beziehung aufden Ackerbau ; aber indem er yandbüna mitunsere Palmgärten" übersetzt, weicht ervon der überlieferten Deutung ab (s. Lane).