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Die Religion der Semiten
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66 Drittes Kapitel. Die Beziehungen der Gottheiten zu Naturclingen etc.

Götter der Länder bezeichnet (II Kön. 18, 3335). Wir werden von Naturgeneigt sein, diese Ausdrücke auf das Königtum der Gottheit zu beziehen,wie das Königtum in neueren Staaten, die ihre Grundlage im Lehnswesenhaben, eine Herrschaft über das Land wie über die Bewohner ist. Aber dasältere semitische Königtum war nicht feudaler Art, und vor der Gefangen-schaft werden wir kaum ein Beispiel eines semitischen Herrschers finden, derals König des Landes bezeichnet wird 77 . Die Beziehungen eines Gottes zuseinem Lande waren indes nicht lediglich politisch bedingt oder von seinemVerhältnis zu den Einwohnern abhängig. Die Aramäer und Babylonier, dieder König von Assyrien im Nordreiche ansiedelte, brachten ihre heimischenGötter mit sich. Als sie aber von Löwen angefallen wurden, glaubten siedie Hülfe des Landesgottes anrufen zu müssen, der wie wir daraus ersehen in seinem eignen Herrschaftsbereich über wilde Tiere ebenso Macht hatte,wie über die Menschen (II Kön. 17, 2428). Ebenso schlössen die Aramäervon Damaskus nach ihrer Niederlage in dem Hügellande um Samaria, dassder Gott der Israeliten ein Gott der Höhen sei und in der Ebene keine Ge-walt habe. Die Macht der Götter ist eben durch natürliche wie räumlicheGrenzen beschränkt. Ebenso spricht sich in der Anschauung, dass ein Gottausserhalb seines eignen Landes keine Verehrung finden kann einer auchvon der Jahwereligion geteilten Auffassung (I Sam. 26, 19. Hos. 9, 4)nicht allein die Meinung aus, dass dort, wo der Gott kein Heiligtum hat,auch kein Cultus stattfinden könne, sondern dass das Land eines fremdenGottes überhaupt nicht ehie geeignete Stätte für die Errichtung eines Heilig-tums biete. In der Sprache des alten Testaments werden fremde Länder alsunrein" bezeichnet (Arnos 9, 17. Jos. 22, 19). Wenn Naaman den GottIsraels zu Damaskus zu verehren wünscht, so muss er sich zwei Maultier-lasten von der Erde Kanaans erbitten, um eine Art Enclave von Jahwes Landin seiner aramäischen Heimat zu schaffen.

Der Gott als Ba'al seines Landes.

Die Beziehung der Götter zu besonderen Stätten, die als eigentlicherSitz ihrer Macht gelten, wird in der semitischen Religion gewöhnlich durchden Titel Ba'al ausgedrückt (Plur. Ba'alim, fem. Ba'alath). Auf Menschenangewandt bezeichnet ba'al den Herrn eines Hauses, den Besitzer von Feld,Vieh und dergl. Im Plural sind die ba'alim einer Stadt die Grundbesitzerund Vollbürger 78 . In secundärer Bedeutung, in der allein das Wort imArabischen häufig gebraucht wird, bezeichnet ba'al den Ehemann. Aber es

77) Wenn die Hebräer von einemKönig von Assur, Edom, Aram (= Syrien)sprechen, so sind das die Namen der Nationen; die ihnen zugehörigen Gebiete sinddas Land Assurs, Edoms" etc. Die Näherbezeichnung des Königs nach einer Oertlich-keit wird von seiner Hauptstadt oder seinem Königssitze hergenommen. So ist der KönigIsraels der König von Samaria (I Kön. 21, 1), Sihon, der König der Amoriter, ist Königvon Hesbon (Deut. 3, 6). Hiram, den das AT. als König von Tyrus bezeichnet, erscheintauf den ältesten phönicischen Inschriften alsKönig der Sidonier" (CIS. I. No. 5 cf.I Kön. 16, 31), Neoukadnezar ist König von Babylon usw. Die einzige Ausnahme vondieser Regel ist im hebräischen Altertum nur Og, König von Basan (Deut. I, 4. I Kön.4, 19); er ist aber eine mythische Gestalt, vermutlich ein alter Gott dieses Gebietes.

78) So häufig im AT. (z. B. Rieht. 9, 2), und ebenso in Phönicien. Inschriftlichfindet sich ba'alath fürBürgerin". CIS. I, No. 120.