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Die Religion der Semiten
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56 Zweites Kapitel. Das Wesen der religiösen Gemeinschaft etc.

Umfange die Auflösung der alten Nationalitäten des Ostens und die ständigeVerschiebung der Bevölkerung, die durch die politische Umwälzung verursachtwaren, die localen und nationalen Beziehungen ihrer Religionen zerstörten,tritt hervor in dem Vorwiegen von Namen, mit denen jemand als Klient(ger) des Gottes bezeiclmet wird 58 . Auf phönicischen Inschriften finden wireine Fülle von Personennamen, die mit ger zusammengesetzt sind, z. B. Ger-meUcarth, Gerastart; der gleichen Erscheinung begegnen wir bei den in Syriensitzenden Arabern in Namen wie Gairelos oder Gerelos,Klient des El". Imeigentlichen Arabien, wo das Verhältnis zwischen Schutzherrn und Schutz-befohlenen besonders entwickelt ist, und wo sich ganze Stämme in die Ab-hängigkeit von einem mächtigeren Stamme zu begeben pflegten, scheint dieAuffassung des Gottes und seines Anhängers als Schutzherrn und Klienten einebesondere Ausbreitung gefunden zu haben, nicht nur weil abhängige Stämmedie Religion ihrer Beschützer annahmen, zu denen sie ihre Zuflucht nahmen,sondern auch wegen der häufigen Verschiebungen der Stämme. Wellhausenhat darauf hingewiesen, dass das erbliche Priestertum an arabischen Heilig-tümern oft im Besitze von Familien war, die nicht zum Stamme der Ver-ehrer gehörten, sondern offenbar von älteren Bewohnern stammten 50 ; in solchenFällen waren die neuen Verehrer thatsächlich nur Klienten eines fremdenGottes. In der That wird der Gott Ta'lab an dem grossen sabäischen Pilger-Heiligtum von Rijäm als Schutzherr" verehrt und seine Verehrer werden alsseine Schutzbefohlenen bezeichnet G0 . Auf dieselbe Anschauung kann vielleichtder Eigenname SahnUnterwerfung" zurückgeführt werden, der einen Be-standteil theophorer Formen bildet, wie des palmyrenischen Sahn al-LätUnterwerfimg unter Al-Lät" 01 und der dem cultischen Sprachgebrauch desVerbum istalamaer machte seinen Frieden" entspricht, womit die Ceremoniedes Küssens, Streicheins und Umarmens des heiligen Steins in der Ka'babezeichnet wird 62 . Vielleicht haben auch die zahllosen mit taim (Sklave")zusammengesetzten Namen, wie nach dem profanen Gebrauche des Wortes mu-tajjam (jemand der von Liebe gänzlich bezwungen ist) zu schliessen, etwa denSinnVerehrer" G3 . Vor allem aber tritt der Einfluss der auf Klientschaft und

58) s. Nöldeke, Sitzungsber. der Berliner Akad. 1880, p. 765. [Aramäisch*n1»J ist der Proselyt]

59) Wellhausen, Heidentum p. 129 [131] Die Heiligtümer wanderten nichtmit den Stämmen und mit ihnen blieben die Priester an einem festen Orte sitzen.

60) J. H. M o r d t m a n n und D. H. Müller, Sabäische Denkmäler (Denk-schriften d. Wiener Akad. d. Wissensch. Philos.-histor. Classe Bd. 32. 1882) p. 22, No. 5,Z. 2 f. (lönö"U>), Z. 8 f. (inans) etc. cf. Nr. 13, Z. 12: Die Göttin Sams (DDDttf) soll mitWohlergehen und Gütern beschenken: nmsi bK!T"itt> ,113Uihren Knecht Sarhel und ihreKlienten".

61) De Vogüe, La Syrie Centrale, lnscript. No. 54.

62) Ibn Duraid, Kitabu '1-iltikäk, p. 22. Der gleiche Begriff einer durchfreiwillige Unterwerfung angenommenen Religion kommt in der Bezeichnung Islam Er-gebung" zum Ausdruck. Wir werden später sehen, dass ganz die gleiche Anschauungder Bezeichnung der christlichen Religion als einesMysterium" zu Grunde liegt.

63) Taim dient im allgemeinen als ein blosses Synonymum von 'abd. Im Arabi-schen ist das Wort indes völlig veraltet, ausser als Bestandteil in alten, theophorenEigennamen; die andern von der Wurzel *-ö abgeleiteten Formen ermöglichen keinesichere Erkenntnis des ursprünglichen Sinnes. Im Dialekt der sinaitischen Inschriftenin denen Eigennamen wie Taimallahi ,Knecht Allahs", TaimdüsaraKnecht des Du-sares", häufig sind, scheint taim als ein gewöhnlicher Name zu begegnen; s. Euting,Sinaitische Inschriften, No. 431, wo Euting HöTl mitsein Knecht" übersetzt. Der Ge-