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und seine Geschichte, und nicht zum mindesten weil der ungeheure Abstandzwischen dem, was eine menschliche Herrschaft ihrem Ideal nach und was siein der Wirklichkeit war, den menschlichen Geist zur Erkenntnis der Not-wendigkeit einer strengeren Gerechtigkeit führte und die Menschen daran ge-wöhnte, als deren notwendige Quelle eine Macht monarchischer Art anzusehen.Ein ähnliches Urteil ist über die oft behauptete monotheistische Tendenzder semitischen Religion im Gegensatz zum hellenischen oder arischen Reli-gionssystem zu fällen. Von keinem System kann in vollem Sinne behauptetwerden, dass es sich in semer natürlichen Entwickelung dem Monotheismusgenähert hätte; der Unterschied zwischen Ihnen besteht allein in der Gleich-stellung oder der Unterordnung der göttlichen Mächte. Aber während dieIdee der Einheit Gottes in Griechenland eine philosophische Spekulation war,die in der wirklichen Religion keinen bestimmten Anhaltspunkt hatte, standder Monotheismus der hebräischen Propheten mit den Anschauungen und In-stitutionen der semitischen Rasse im Zusammenhang, indem er den einen,wahren Gott als den absolut gerechten König auffasste, der gleichzeitig derGott der ganzen Welt war oder vielmehr zu werden bestimmt war, nicht nurweil seine Macht die Welt umfasste, sondern weil er als der vollkommeneHerrscher sich alle Völker dienstbar machen musste (Jes. 2, 2—4).
Wenn wir von der prophetischen Auffassung der Herrschaft Jahwessprechen, nach der diese bestimmt war, sich über den Bereich Israels hinausüber die ganze Erde auszubreiten, so berühren wir damit einen Zug, der allensemitischen Religionen gemeinsam ist, der eine Erklärung und nähere Be-stimmung erfordert, bevor wir eigentlich verstehen können, womit die Pro-pheten den Bereich der allgemein semitischen Anschauung überschritten, unddies ist in der That notwendig, um unsere Auffassung von der letzten Entwick-lung der semitischen Religionen als Institutionen des Stammes oder der Nationzu vervollständigen.
Der Verehrer als Schützling seines Gottes.
Seit sehr alter Zeit umfassten die semitischen Gemeinwesen ausser denfreien Stammesgliedern von reinem Blute (arab. särih, hebr. ezräli) nebst ihrenFamilien und Sklaven eine Klasse von Leuten, die persönlich frei waren, jedochkeine politischen Rechte hatten, nämlich die unter dem Schutze der Gemein-schaft stehenden Fremdlinge (hebr. ger, Plur. ger im, arab. gär, Plur. yirän),die im alten Testament und in der altarabischen Litteratur so oft erwähntwerden. Der ger war ein Mann aus einem anderen Stamm oder Gebiete,der sich, indem er an einer Stätte verweilte, wo er nicht durch die Anwesen-heit seines eigenen Stammes geschützt war, unter den Schutz eines Stammesoder eines mächtigen Häuptlings stellte. Seit den ältesten Zeiten des semi-tischen Lebens wurde die Rechtlosigkeit der Wüste, in der jeder Fremde einFeind ist, durch den Grundsatz, dass der Gast unverletzlich ist, gemildert.Jemand ist inmitten der Feinde gesichert, sobald er in ein Zelt eintritt oder nurdas Zeltseil berührt 50 . Einen Gast zu verletzen oder ihm die Gastfreundschaft
50) Nähere Ausführungen s. Kinship, p. 41 ff.