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Die Religion der Semiten
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Der Gott als Stammeshaupt in Arabien. 49

so dehnbarer Begriff, dass es ebenso gut den Dienst, den ein Sohn seinem Vatererweist, wie den Dienst, den der Herr von seinem Sklaven fordert, bezeichnenkann * 6 . Wenn jemand Knecht eines Gottes heisst, so liegt darin offenbar,dass er nicht bloss zu der Gemeinschaft gehört, deren König der Gott ist,sondern dass er seinem Dienst und Cultus besonders geweiht ist. Ebensoscheinen andere, mit l abä zusammengesetzte theophore Namen ursprünglich inköniglichen oder priesterlichen Familien am meisten gebräuchlich gewesen zusein, da deren Glieder natürlich auf einen besonderen Anteil an der Religion undauf die beständige Nähe der Gottheit Anspruch erhoben. In späterer Zeit,als die Religion des Einzelnen nicht mehr durch seine nationale Beziehunggenau bestimmt war, dienten theophore Namen dazu, den Cultus zu bezeichnen,dem er sich besonders angeschlossen hatte, oder den Gott, dem ihn seineEltern geweiht hatten. Dass der Gebrauch solcher Namen nicht mit derVorstellung der Sklaverei unter einem göttlichen Despoten verbunden war, er-giebt sich deutlich aus ihrer Häufigkeit bei den Arabern, die von jeder Autori-tät, sei sie eine menschliche oder eine göttliche, nur eine sehr unbestimmteVorstellung haben. Das Verhältnis des Unterthanen zu seinem göttlichen Ge-bieter wurde bei den Arabern, ebenso wie bei den alten Hebräern, oft durchNamen anderer Bildung ausgedrückt. Von den Söhnen des Königs Saulheissen zwei Isba'al und Meriba'al; beide Namen bedeutenMann des Baal",d. h. Jahwes, der in dieser alten Zeit noch ohne Anstoss Baal genannt wurde.Unter den Arabern an der syrischen Grenze finden wir den Namen AmrielMann des El" , AmrisamsMann des Sonnengottes" und andere der-artige Namen 47 . Im eigentlichen Arabien finden wir z. B. den königlichenDichter Imrulkais, denMann des Kais", Sai' al-Lät denGefährten derLät",Anas al-Lät, Namen, die alle das Verhältnis des freien Mannes zu seinemFührer bezeichnen.

Der Gott als Stammeshaupt in Arabien.

Dass sich die Araber die Gottheit als Herrn oder Führer vorstellten,erhellt nicht nur aus derartigen Eigennamen und aus dem Titel rab, rabhiHerr",Herrin", die ihren Göttern und Göttinnen beigelegt wurden, sondernvor allem aus der Entstehungsgeschichte des Islam. Muhammad wurde inseiner Eigenschaft als Prophet nicht aus eigener Initiative zum Richter, Ge-setzgeber und politischen Führer, sondern weil die Araber der verschiedenenStämme geneigt waren, die Entscheidung in Fragen des Rechts oder desVorrangs, in denen sie sich unter einander keine Zugeständnisse machten,

(Schröder, Phöniz. Sprache, p. 18.) Auch bei den Arabern sagt ein alter Dichter:Ichbin der Sklave meines Gastes, so lange er bei mir weilt, aber ausser in diesem Falleist in meiner Art kein Zug von einem Sklaven". (Hamäsa, p. 727.)

46) Ursprünglich bedeutet "Ol?arbeiten", im Aramäischen heisst es einfachthun,machen". Der alte Cultus wird als ein Werk oder ein Dienst angesehen, weil er in einemäusseren Verfahren, dem Opfer, besteht. ['TJ3I? Exod. 12, 25. 13, 5 =gottesdienstlicherBrauch" vom Passahmahl gebraucht. In der Mischna heisst ITDI}Gottesdienst". UeberfH31!?ü syr. ma'bädhmVerzauberungen" s. Nöldeke ZK. II, 296.) Die gleiche Ideen-verbindung liegt vor bei dem Stamme PPS und dem griechischen jSeCjeiv SsG>.

47) Nöldeke, Ueber den Gottesnamen El. Sitzungsber. d. Berliner Akad. 1880p. 768; Wellhausen, Reste arab. Heident. p. 3.

Smith, Eeligion. 4