48 Zweites Kapitel. Das Wesen der religiösen Gemeinschaft ete.
Der Anhänger als Knecht des Gottes.
Wenn der Gott als König aufgefasst wird, so ist die Anrede „Herr"naturgemäss, wie andrerseits seine Verehrer als seine „ Unterthanen" bezeichnetwerden. So finden wir unter den Phoeniciern als göttliche Titel Adö n „Herr",woher die Benennung Adonis für den Gott Tannnuz kommt, oder Rabbath„ Herrin" als Titel der Tanith; dem entsprechende Ausdrücke finden sich beiallen semitischen Völkern **. Im Gegensatz dazu nennt sich in allen semitischenGebieten der Anhänger „Diener" oder „Knecht" ( l äbd, l ebed) seines Gottes. DieBezeichnung „Knecht" ist bei den Verehrern eines Gottes sehr beliebt gewesenund bildet die Grundlage für eine grosse Anzahl theophorer Eigennamen, wie'Abd-Esmun (Knecht des Esmun), Abd-Baal, Abd-Osir. Abd-Allah u. s. w.Auf den ersten Blick scheint diese Bezeichnung auf eine strengere Auffassungdes göttlichen Königtums zu deuten, als wir sie dargestellt haben: denn nurin einer strengen Despotie ist der Uhterthan Sklave des Monarchen. Manhat es sogar als einen fundamentalen Unterschied zwischen der semitischenund der griechischen Religion betrachtet, dass in jener die Beziehung desMenschen zur Gottheit als ein Knechtschaftsverhältnis erscheint, während esin dieser nicht der Fall ist. Dieser Schluss beruht aber darauf, dass eineFeinheit des sprachlichen Ausdrucks, in dem sich eine Verfeinerung der se-mitischen Gesittung äussert, nicht berücksichtigt worden ist. Wenn jemandzu einem Höherstehenden redet, so nennt er ihn „mein Herr" und bezeichnetsich und andere als „deine Knechte" 45 . Diese Form der Höflichkeit ist na-türlich dem Könige gegenüber unerlässlich; wenn aber der König nicht an-geredet wird, so sind unter seinen „Knechten" seine Hofleute zu verstehen,die zu seiner persönlichen Umgebung gehören, oder diejenigen seiner Unter-thanen, die thatsächlich für seine Dienste angeworben sind, z. B. seine Söldner.Im alten Testament ist das ein fester Sprachgebrauch; die Diener des Königswerden von dem Volke im allgemeinen oft unterschieden. So sind bisweilenauch die Propheten „Diener Jahwes", sofern sie einen besonderen Auftragvon ihm haben; in den Psalmen ist es oft das Volk, das zu cultischer Feierim Tempel versammelt ist; bei Deutero-Jesaia sind es seine wahrhaft treuenAnhänger im Gegensatz zum natürlichen Israel, das nur dem Namen nachihm unterthan ist. Kurz, im Bereiche des politischen wie religiösen Lebensist die Bezeichnung 'aModer l ebeä „Knecht", das eng mit dem Verbum 'abad„Dienste, Huldigung oder religiöse Verehrung erweisen" zusammenhängt, ein
Archeol. XXI (1870, I), pp. 115. 117. Auf einer Inschrift des Tiglath-Pileser findet sichder Name des Edomiterkönigs Kausmalalc, s. S c h r a d e r , KAT 1 ' p. 257. Ueber denGott Kos (oder Kaus) s. Wellhausen, Reste arab. Heident. p. 77 [67]. Nöldeke,ZDMG. 1887, p. 714. s. oben, S. 31, Anm. 18.
44) Bei den Nabatäern findet sich Mab „Herr" in dem Eigennamen ^K3T s. oben(s. Euting, Nabat. Inschr. No. 21, 3. 14 — Waddington, 2152, 2189, 2298). Zu Gaza derGott Mama, d. h. „unser Herr". Beide auf Schalen, s. H e a d, p. 680 und bei MarcusDiaconus, Vita Porphyrii § 19; [ed. M. Haupt in den Abhandl. der kgl. Akad. d.Wissensch. zu Berlin, 1874, p. 171—215; s. p. 180. Migne, Patr. Gr. 35, 649—694],ebenso zu Kerak, s. Waddington 2412 g.
45) Das gilt für die Hebräer und Aramäer, ebenso auch für die Phönicier ; cf. Plautus,Poenulus V, 2 V. 998: Auo Donni = 'rittO 1in. Vergl. das Epigramm des Meleager vonGadara (Anthologia graeca epigr. VII, 419):
'AXX el p.ev SOpo? eaoi, SsXöji* el 6' ouv aöye "JJoivigAüSovtg - st 8' "EXXtjv, Xatps • Tö 8' aütö 9päaov.