Der Gott als König seines Volkes. 47
In zwei Ausnahmefällen spricht ein frommer Richter oder Prophet die Mei-nung aus, dass die Herrschaft Jahwes nnt dem menschlichen Königtum, wiees in den umwohnenden Völkern bestand, unvereinbar sei (Rieht. 8, 23. I Sam.12, 12). Die Volksmasse der Israeliten hat darin niemals eine Schwierigkeitgefanden, auch nicht die Propheten der Königszeit, und ebensowenig wurdesie yon Israels Nachbarn empfunden. Wenn ein Sohn bei Lebzeiten seinesVaters gekrönt werden konnte, wie Salomo, oder für seinen Vater die Re-gierung führen konnte, wie Jotham für Uzzia regierte (I Kön. 1, 32 ff. II Kön.15, 5), so bestand keine Schwierigkeit, den menschlichen König als den Stell-vertreter des göttlichen Herrschers zu betrachten, der — wie wir sahen —oft als der Vater des königlichen Geschlechtes gilt und damit der Dynastieeine gewisse Heiligkeit verleiht. Dem entsprechend finden wir, dass der ty-rische Baal den Titel Melkarth, ,König der Stadt" oder genauer „unser GottMelkarth, der Baal von Tyrus" führt 40 . Seine Herrschaft wurde auch vonden karthagischen Kolonisten anerkannt, indem sie an seinen Tempel in derMutterstadt den Zehnten entrichteten; denn die Erhebung des Zehnten ist imOrient ein Recht des Königs 41 . Ebenso war der höchste Gott der Ammo-niter Milkom oder Malkam, eine Bezeichnung, die nur eine veränderte Formdes Wortes Melelc, d. h. „König", ist. Eine entstellte Aussprache des gleichenWortes liegt in dem bekannten Moloch oder Molech vor, indem die späterenJuden aus religiöser Tendenz die Konsonanten des Wortes MLK, die nurmelelc „König" zu lesen sind, mit den Vokalen des Wortes hoset „Schande"verbanden in allen Fällen, wo es als Titel eines Götzen zu verstehen war.In Babylonien und Assyrien ist die Anwendung des Königstitels auf che Gott-heiten so gebräuchlich, dass es keiner besonderen Belege dafür bedarf. Alsden Hauptgott der Aramäer von Palmyra kennen wir ferner den Malakhbel,d. h. „König Baal"; doch ist bei diesem wie bei andern Beispielen aus einerspäteren Zeit vielleicht die Annahme zulässig, dass das Königtum der höchstenGottheit mehr ihre Herrschaft über andere Götter als über ihre Anhängerbezeichnet. Eine ausserordentliche Fülle an Beweismaterial bieten ferner dieEigennamen, die eine religiöse Bedeutung haben; in ihnen wird der Gott desbetreffenden Anhängers oft als König bezeichnet. Solche Namen waren unterden Phoeniciern und Assyrern ebenso gebräuchlich wie bei den Israeliten * 2 ;sie finden sich auch unter den Arabern an der Grenze Syriens und Aegj r ptens iS .40rciS._ I. No. 122: -is ^m mpbab |J"rt6
41) s. Diodor. XX, 14 „. .. x.PT)l JL0 ' xtuv itW)9*>S xo " tfiW TtoXuTsXsa-draov ävaft-vjixdttüvETts|itpav eis iyjv Tupov oöx öXiya. lieber die Entrichtung der Zehnten an den König s.I. Sam. 8, 15. 17. Vergl. Ar i s t ot ele s, Oixovo|n-/.ä IL (Ausgabe der Berliner Akademie.Berlin 1831. vol. II) p. 1352 b . cf. p. 1345 h . [Die Oiy.ovo|i!.y.ä rühren nicht von Aristotelesher. Buch II stammt von einem jüngeren Gliede der peripatetischen Schule, s. Chris t,Gesch. der griech. Litteratur. 2. Aufl., p. 417. Pauly-Wissowa, Real-Encycl. II, 1052.]
42) t?abnx, CIS. I No 50 — bazbns, No. 54 — -|bai,T König von Gebal, No. 1— 7MIT, No. 69 — [irabä, No. 10, 16 etc. — jrr'ws, No. 78 - - [JVSBH, No. 44 -"Pjö-OIJ, No. 46 — cf. iDK-ni?, }n»K*O0 etc. — "]baiV, No. 189, 219, 386. — buiJü aufeiner Schale aus Byblus, s. Head, ,p. 668. — rO?B „Königin" als Titel der Astarte liegt"wahrscheinlich vor in fühlän, na'PBnn, sicherer in roböno — „Magd der Königin",cf. mnrunö No. 83 und roböIM „Gnade der Königin", No. 41.
Mit Gottesnamen zusammengesetzte assyrische Eigennamen von ähnlichem Typuss. Seh rader, ZDMG. 26. p. 140—154, z. B. Nabu-malik „Nebo ist König" Bei abi-ia„Bei ist mein Vater". Bei itti-ia „Bei ist mit mir" etc. Auf einem Cylinder des San-Iierib findet sich auch als Name eines edomitischen Königs Malik-ramu „der König(= Gott) ist erhaben".
43) Z. B. Koa\i r x.Xct.y_oc, , 'EX[iaXa/ v og = Kos ist König, El ist König, s. Revue