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Die Religion der Semiten
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36 Zweites Kapitel. Das Wesen der religiösen Gemeinschaft etc.

dieser Verbindung ist der Unterschied zwischen Göttern und Halbgöttern un-wesentlich ; die Halbgötter sind von göttlicher Art, wiewohl sie die volleStellung der Gottheiten, die von einem anerkannten Kreise von Anhängernumgeben sind, nicht erreicht haben 27 .

Somit liegt eine beträchtliche Fülle von Beweisen vor, aus denen er-sichtlich ist, dass die auf Verwandtschaft begründete Gestalt der Religion, inder die Gottheit und ihre Anhänger eine durch das Band des Bluts geeinteGemeinschaft bilden, unter allen semitischen Völkern und zwar in der altenZeit bei weitem die vorherrschende war. Aber die Tragweite des Beweisesreicht noch weiter. Sie lässt auch daran keinen begründeten Zweifel zu, dassdies die ursprüngliche Form der Religion bei den Semiten war, ausder alle andern Gestalten hervorwuchsen. Besonders unverkennbar tritt dieseThatsache in Arabien hervor, wo die Anschauung, dass die Cultusgemeinschaftund die Stammesgemeinschaft identisch sind, so tief eingewurzelt ist, dass siedie praktische Seite der Religion selbst dann noch beherrschten, als die MenschenGötter verehrten, die nicht ihre Stammesgötter waren. Aber auch unter denübrigen semitischen Stämmen zeigt sich die Verbindung von Religion undVerwandtschaft oft in Formen, die nur in einem primitiven Zustande der Ge-sellschaft ihre Erklärung finden, in dem der Kreis der Blutsgemeinschaftmit jeder religiösen und staatlichen Gemeinschaft zusammenfiel. Nationen,die von blossen Stämmen unterschieden sind, haben ihre Grundlage nicht inder Verwandtschaft; trotzdem nehmen die semitischen Nationen gewöhnlichan, dass sie derselben Abstammung seien, und ihre nationalen Religionen sindin der heiligen Sage wie im cultischen Brauch tief von der Anschauung durch-drungen, dass der Gott und seine Anhänger gleichen Stammes sind. Hierinscheint mir ein schwerwiegender Beweisgrund dafür zu liegen, dass die Grund-züge der gemeinsemitischen Religion lange vor Beginn der authentischen Ge-schichte festgelegt waren, und zwar auf der ältesten Stufe des Gemeinschafts-lebens, da die Verwandtschaft als die einzige Form dauernder, freundlicherBeziehungen der Menschen zu einander anerkannt wurde, die mithin auch dieeinzige Form war, nach der sich die Anschauung von einer dauernden, freund-lichen Gemeinschaft zwischen einem Kreise von Menschen und einem über-natürlichen Wesen gestalten konnte. Dass sich alle menschlichen Gemein-wesen aus dieser Stufe entwickelt haben, wird jetzt allgemein anerkannt; unddie vorliegenden Zeugnisse beweisen, dass noch die historischen Formen derReligion unter den Semiten auf einen solchen Zustand zurückgeführt werdenkönnen.

\ Die Religion der Verwandtschaft.

Neuere Untersuchungen über die Geschichte der Familie haben im höch-sten Grade unwahrscheinlich gemacht, dass die natürliche Verwandtschaft

Feuer verwüsten und die grünenden Bäume von ihnen verbrannt werden. Ueber diesi'lat s. Rasmussen, Additamenta ad histov. Arabum ante islamismum (1821), p. 71, Z. 19des arab. Textes. (Uebers. p. 65)

27) Ueber Ehen zwischen Menschen und Ginnen s. die modernen Sagen beiDoughty II, 191 f. ZDPV. X, 84. Ob solche Ehen gesetzlich gültig sind, ist von denmuhammedanischen Juristen alles Ernstes erörtert worden.