32 Zweites Kapitel. Das Wesen der religiösen Gemeinschaft etc.
chen Namen eine bestimmte Vorstellung verknüpft war, ist freilich zweifel-haft. Vielleicht ist ihre Verbreitung aus der in weiteren Volkskreisen herr-schenden Neigung zu erklären, aristokratische Namen nachzuahmen, eine Nei-gung, die sich im Osten ebenso geltend macht wie bei uns 10 .
Der Glaube, dass alle Glieder eines Stammes Söhne und Töchter seinesGottes sind, erhielt sich, wie zu erwarten ist, am längsten in Arabien, woder Stamm niemals im Staate aufging, und wo bis auf die Zeit Muham-mads herab das Blut das eine, heilig gehaltene Band der socialen Einheitblieb. Thatsächlich tragen manche arabische Stämme che Namen von Götternoder von Himmelskörpern, die als Gottheiten verehrt wurden; ihre Gliederwurden „Söhne des Hubal", „Söhne des Vollmonds" und ähnlich benannt 20 .
von Memphis (Rev. Arch. 1870, I, p. 117). Vergl. Buting, Nabat. Inschr. p. 49. Bäthgen,Beiträge zur semit. Religionsgesch. p. 11.]
19) Unter den Hebräern und Phöniciern erscheinen keine Personennamen dieserArt. Indes findet sich der weibliche Name ^IJarO „Tochter des Baal" öfter (CIS. Pars I.tom. 2. No. 469, 727, 775, 792, 887). Dagegen bezeichnet sich der Verehrer des Gottesöfter als „Bruder", d. h. als Volksgenossen, oder „Schwester" der Gottheit in phönizischen
Namen wie "pari, naban, D-n i -pann, nabann, mpbann, rbnn, rcnns „Schwester der Ta-
nith" und in hebräischen Namen wie ^KTl und iTTIK. Eine besondere und schwer zudeutende Klasse von theophoren Namen sind solche, die die Form der arabischen Kunjahaben, wie Abibaal = „Vater des Baal". Um der Schwierigkeit auszuweichen, hatteman sie gedeutet als „mein Vater ist Baal". Diese Auffassung scheitert aber gegenüberweiblichen Namen wie [B'JMCBK „Mutter des E-mün" CIS. Pars I, tom. 2. No. 881 [DieHerausgeber fassen diesen Namen als pnwiöK = serva E-muni auf. Doch findet sichin der grossen Inschrift des Esmün'azar Z. 14 auch der Name rnntt'UCN „Mutter derAstarte", während auf einem karthagischen Votivstein (CIS. I. No. 387) sich der NamemrWKna» für liinWUnaK „Dienerin der Astarte" findet].
Nöldeke hält die Deutung als „Vater des Baal" oder „Mutter der Astarte" fest undwill sie scheinbar gewissermassen in metaphorischem Sinne auffassen, indem er Gen. 45, 8„Vater des Pharao" vergleicht. ZDMG. 42, 480. Ich persönlich möchte die Vermutungwagen, dass in der Praxis die Kunja als Aequivalent des Patronymicon gebraucht wurde.Die Sitte, den ältesten Sohn nach dem Grossvater zu benennen, war so verbreitet, dasseine Person M, Sohn des N. ziemlich sicher zugleich als M, Vater des N., bekannt war.Letzteres, als die höflichere Form der Anrede, konnte das Patronymicon sehr leicht gänz-lich verdrängen. Ich glaube, dass es einzelne Spuren dieser Erscheinung im Arabischengiebt: Der Dichter Amr b. Kulthum redet den König Amt b. Hmd als Abu Hind an(Muall. 23). Im Hebräischen werden vorgesetztes n aK. TlX, "an für die Bildung männ-licher wie weiblicher Namen gebraucht (b^SK, rvatCi blö'aKi 3$'aX). So könnte auch imPhönizischen ^wax ein weiblicher Personenname sein (CIS. I. No. 387 ?). Im Him-jarischen findet sich *j?p28 als weiblicher Name CIS. IV, No. 85. [In *aax (CIS. IV, 1.
No. 6) sieht J. Derenbourg den als weiblich gebrauchten Namen Ac jj| währendPrätorius ZDMG. 26 p. 418 hrbx ha ^mx als „Herren des Hauses der Iläht" fasst.Auch im späteren Judentum werden Frauen mit Männernamen benannt. So ist BV?tP # alsweiblicher Name Sabbath 116" und inschriftlich bezeugt, s. Clermont-Ganneau, Epi-graphes hebraiques et grecques sur les ossuaires juifs inedits. Paris, 1883. No. 9. Vergl.Zunz, Die Namen der Juden = Gesammelte Schriften II, p. 16. Für diese sprachlicheEigentümlichkeit hat Nöldeke ausreichende Analogieen beigebracht. ZDMG. 42 (1888)p. 480. Anm. 1.]
20) K i n s h i p, p. 205 ff. [Die Vorstellung, dass die Glieder eines Stammes Kin-der eines Gottes sind, ist gemeinsemitisch. Sie spricht sich in den arabischen Stammes-namen Banu'l-Si'Mt (Ibn Duraid p. 139), Banu Hiläl (cf. Hamäsa p. 342), Banu Baclraus. Num. 21, 29 heissen die Moabiter „Söhne und Töchter des Keinös. cf. Gen. 6, 1 ff.;noch Maleachi nennt ein heidnisches Weib die „Tochter eines fremden Gottes" (Mal. 3,17).Hierhin gehören auch die aramäischen Namen wie Ben Hadäd, Barluhä, Barba'smin].Ueber die arabischen Namen s. Wellhausen, Heidentum p. 4 ff. [7 ff.], der allesolche Namen durch Auslassung von 'abd erklärt. Das ist in manchen Fällen sehr wahr-scheinlich; aber weil z. B. 'Auf oder Abd 'Auf ohne Unterschied als Gentiiname ge-braucht wird, braucht man nicht anzunehmen, dass Banu 'Auf eine Verkürzung von BanuAbd 'Auf ist. Es ist durchaus logisch, dass die Söhne des 'Auf die einheitliche Gemein-