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Die Religion der Semiten
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Die Auffassung der Gottheit alsVater". 29

wandt waren 12 . Das alte Testament zeigt, dass die gleiche Anschauungauch den älteren Semiten vertraut war. Jeremia (2, 27) schildert die Götzen-diener , wie sie zu einem Holzbilde sagen: Mein Vater bist du!" und zueinem Steine:Du hast mich geboren!" In dem alten Liede Num. 21, 29 wer-den die MoabiterSöhne und Töchter des Kemös" genannt, und zu einersehr viel späteren Zeit bezeichnet der Prophet Maleachi (2, 11) ein heidnischesWeib alsTochter eines fremden Gottes". Diese Ausdrücke stehen unfrag-lich mit dem Sprachgebrauch in Uebereinstimmung, den die heidnischen Nach-barvölker Israels in Bezug auf sich selbst anwandten. Sie gehören einer ge-schichtlichen Periode an, in der für Syrien und Palaestina das staatliche Lebensich noch wesentlich in der Stammesorganisation darstellte, und wo jederStamm oder jeder Verband von Stämmen, der ein kleines, unabhängiges Volk bil-dete, seinen Ursprung auf einen grossen Urvater zurückführte. Auch daraufdeuten jene Ausdrücke hin, dass, ebenso wie in Griechenland, der Vater oderäp'/rpfirrjC, der Rasse gewöhnlich mit dem Gotte der Rasse identifiziert wurde.Im Einklang damit steht, dass sich nach dem Urteil der meisten neueren For-scher in den Völkergenealogien der Genesis mehrere Eigennamen von Götternfinden. So wird z. B. Edom, der Stammvater der Edomiter, von den Hebräernmit Esau, dem Bruder Jakobs, identifiziert; für die heidnischen Edomiter aberwar er ein Gott, wie aus dem theophoren Eigennamen Obed-EdomVerehrerdes Edom" hervorgeht 13 .

Derartige Ueberreste der älteren Mythologie sind uns in den Berichten,

12) [Die Einzelheiten und Belege s. bei Preller-Robert, Griechische Mythologie.(1894) I, 78-87. [vergl. P in d ar, Nem. VI, 1. Hesiod, W. u. T. 108.]

13) Bäthgen, Beiträge zur semitischen Religionsgesch. p. 10 hat den Einwand er-hoben, dass nicht alle mit t-IJ zusammengesetzten Namen theophore Namen seien. Sicherist allerdings, dass wir auf nabatäischen Inschriften Eigennamen dieser Form finden, indenen der zweite Bestandteil der Name eines Königs ist. Dies ist indes erst auf einerStufe der Gemeinschaft der Fall, wo dem Könige nahezu göttliche Ehren erwiesen wur-den und wo die Apotheose des Königs nicht unbekannt war. Vergl. Wellhausen,Reste, p. 2 f., E u t i n g , Nabatäische Inschriften, p. 32 f., C 1 e r m o n t - G a n n e a u,Reo d'Archeologie Orient. I, 39 ff. und Revue critique 1885, I, 176 f. Immerhin musszugestanden werden, dass bei religionsgeschichtlichen Fragen aus Eigennamen hergenom-mene Argumente ziemlich wenig beweiskräftig sind. Es ist möglich, wenn auch nichtganz wahrscheinlich, dass der Volksname DHK (stets plene geschrieben) dem arab. y anamentspricht und blossMenschen" = hebr. Q~K bedeutet und von dem Gottesnamen D1Kverschieden ist, jedenfalls wird D"IK "DU stets defectiv geschrieben ausser IL Chron.25, 24. s. Nöldeke, in ZDMG. Bd. 42, 470. Anm.

Als Beispiele von Gottesnamen in den Geschlechtsregistern habe ich an anderemOrte aufgeführt: Uz (Gen. 22, 21. 36, 28 = LXX Q.Z.. ßg, P-S und Hiob 1, 1 als Aüatu S ) =arab. 'Auä (Kinship, 261) und Je'üs (Gen. 36, 14) = arab. Jayüth. Die zweite dieser Gleich-setzungen ist von Nöldeke angenommen (s. ZDMG. 40, 167 f.; doch bezweifelt Nöldeke,

iijjtjj = ßniT ein Gottesname ist), vonLagarde verworfen. (Mitth. II, 77. Bil-dung der Nomina p. 124). Die Gleichung 'Aud. = pi> ist von Nöldeke (ZDMG. 40, 184)erörtert worden; doch scheinen mir seine Bemerkungen nicht entscheidend. Dass derarabische Gott 'Auä eine blosse Personifikation der Zeit sei, lässt sich schwer behaupten,und die Ansicht, dass 'audo oder 'aiida in dem Verse des Al-A'Ja von dem Namen des Gottesabgeleitet ist, die Nöldekedoch etwas bizarr" findet, hat zum mindesten die Autorität

des Ibn al-Kelbi für sich, den Gauhari und noch ausdrücklicher der Lisän al-'arab citiert. (s.

Kinship, 261:die Partikel (jitn ist einfach eine abgekürzte Form des Schwures beidem Gotte 'Aud". vergl. Wellhausen, Reste s p. 66.) Ein Gott |"p, der denselben Namenträgt wie der vorsintflutliche Kenan (Gen. 5, 9. 12), erscheint auf himjarischen Inschriftens. J. H. Mordtmann in ZDMG. 31, 86. CJS. IV, 20).