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Die Religion der Semiten
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Die Nationen und ihre Götter. 25

jeder Gott seinen eigenen, bestimmten Kreis von Anhängern hatte, zu demer in besonderer und ausschliesslicher Beziehung stand.

Diese Ausschliesslichkeit des Verhältnisses ist am deutlichsten ausge-sprochen in dem Anteil, den die Götter an den Fehden und Kriegen ihrerAnhänger nehmen. Die Feinde eines Gottes sind mit den Feinden seinesVolkes identisch. Selbst im alten Testament sinddie Feinde Jahwes" ur-sprünglich nichts anderes als die Feinde Israels 4 . In der Schlacht kämpftjeder Gott für sein Volk, und seiner Hülfe wird der Sieg zugeschrieben,Kemös giebt den Moabitern Sieg wie Assur den Assyrern 6 . Oftmals be-gleitet auch ein Abbild oder ein Symbol der Gottheit das Heer in den Kampf.Als die Lade in das Feldlager der Israeliten gebracht ward, sagten die Phi-lister:Gott ist [zu ihnen] ins Lager gekommen! Wer wird uns aus derGewalt dieser mächtigen Gottheit erretten?" (I. Sam. 4, 7 ff.). Sie urteiltendamit nur nach ihrem eigenen Brauche; denn als David sie bei Baal-Perazimgeschlagen hatte, bestand ein Teil der Beute aus ihren Götzenbildern, diesie mit sich ins Feld genommen hatten (IL Sam. 5, 21). Wenn die Karthagerin ihrem Vertrage mit Philipp von Macedonien von den Göttern reden,dieam Feldzuge teilnehmen" °, so beziehen sie sich damit unfraglich auf dieBewohner des heiligen Zeltes, das neben dem Feldherrnzelt stand, und vordem nach dem Siege Gefangene geopfert wurden 7 . Aehnlich sagt ein arabi-scher Dichter: Und es rückt mit uns vor (seil, in die Schlacht) Jagüth gegenMurad" 8 ; d. h. das Bild des Gottes Jagüth wurde mit in den Kampf ge-nommen. Man sieht, wie wortgetreu und realistisch die Anschauung von derTeilnahme der Gottheit an den Kämpfen ihrer Verehrer war.

Wenn die Götter der einzelnen semitischen Stämme so an den Stammes-kämpfen ihrer Anhänger Teil nahmen, so konnte der Einzelne seine Religionnicht wechseln, ohne sein Volkstum zu vertauschen, und ein ganzes Gemein-wesen konnte kaum seine Religion wechseln, ohne völlig in einem fremdenVolkstum und seiner Religion aufzugehen. Religiöse wie politische Bezieh-ungen gingen vom Vater auf den Sohn über; denn niemand konnte sich nachBeheben einen neuen Gott wählen. Die Götter seiner Väter waren die einzigenGottheiten, auf deren Wohlwollen er rechnen durfte, die geneigt waren, seinOpfer entgegenzunehmen, ausser wenn er seiner eigenen Stammesgemeinschaftentsagte und in dem bürgerlichen wie religiösen Leben einer .neuen Gemein-

4) Rieht. 5, 31. I. Sam. 30, 26:die Beute der Feinde Jahwes", d. h. die Kriegs-beute der Israeliten.

5) s. Rieht. 5: Jahwe als Führer des Volkes in der Sehlacht. Für die gleicheAuffassung bei den Moabitern s. die Inschrift des Königs Mesa von Moab (um 850 v.Chr.). ebenso die assyrischen historischen Inschriften.

6) Polyb. VII, 9, 2:ivavxiov 9-eöjv xffiv auaxpax=uo|ilvo)v".

7) Diodor XX, 65, 1. (ed. Dindorf):xwv yap Kap-/vjdovuov |isxä xr]v vivojv xot>s y.oi)Ma-xouc; xwv a'.jdiaXraxtüv S-uövxcov yjxptaxyjp'.a virxxoc; xoij 0-solj y.od tzoXXo'j Tiupoj xo'j; cepoy.au-xoujjisvouc; ÄvSpag -/taxd/ovioj, egatcpvTjc; 7tvs>3|j.ocxos eraTtsadvxof ouveßT) xTjV cepdv axvjvrjv äva-98-vjvai, TtXTjaiov o5aav xoö ßiujioö, falb ok xaüxvjj xtjv axpaxrnaxrjv. . ."

8) J ä k ü t, Geograph. Wörterbuch (ed. F. Wüstenfeld) IV, p. 1023. Ein Rest der-selben Anschauung scheint sich noch erhalten zu haben in dem tragbaren Zelte der Car-

niathen (s. Ibn al-Gausi bei de Goeje, Memoire sur les Carmathes du Bahrain.1886 p. 180. 220 ff.), von dem aus man den Sieg verliehen dachte. Damit vergleichtde Goeje das tragbare Heüigtum der Muhtär (Tabari, II, 702707) und die noch beiBeduinenstämmen gebräuchliche 'utfa. (B u r c k h a r d t, Bedouins and Wahabys I, 145.LadyAnneBlunt, Bedouin Tribes II, 146. D o u g h t y, I, 61. II, 304).