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Die Religion der Semiten
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24 Zweites Kapitel. Das Wesen der religiösen Gemeinschaft etc.

Tigris Hülfskräfte zogen, mit denen keiner ihrer Nachbarn zu rivalisieren ver-mochte, schritten von Eroberung zn Eroberung fort, bis alle die kleinen Staatenin Syrien und Palästina vor ihnen dahingesiuiken waren. Die Assyrer warenEroberer der gewaltsamsten, vernichtendsten Art, wohin sie kamen, wurde dasGefüge der alten Staaten zertrümmert. Von dieser Zeit an lag der Unter-schied zwischen Syrien oder Palästina und Griechenland nicht allein im Wesender Rassen, es war der Gegensatz des freien Bürgers und des Sklaven einesorientalischen Despoten. Wie die bürgerliche Gemeinschaft so war auch dieReligion durch den Zusammenbruch der alten freien Gemeinwesen der nord-semitischen Länder aufs schwerste betroffen. Die Gemeinschaft der gleichenReligion war fortan mit der staatlichen Zusammengehörigkeit nicht mehridentisch; und der alte Zusammenhang des staatlichen und religiösen Lebensblieb nur noch in modificierter Gestalt bestehen. Es kann daher nicht über-raschen, dass seit dem achten Jahrhundert die Geschichte der semitischen Re-ligion einen ganz anderen Entwickelungsgang nimmt, als wir ihn in den west-lichen Mittelmeerländern beobachten können.

Die Nationen und ihre Götter.

Die alten semitischen Staaten waren klein und durch unaufhörlicheKämpfe vielfach von einander getrennt. Auf Grund der Gemeinschaft zwischenden Göttern und ihren Verehrern musste auch der für das politische Gemein-wesen charakteristische Particularismus im Bereiche der Religion wieder her-vortreten. In dem gleichen Masse, wie der Gott eines Stammes oder einerStadt unbestreitbaren Anspruch auf die Verehrung und den Dienst der Ge-meinschaft erhob, war er notwendig auch ein Feind ihrer Feinde und einFremder gegenüber solchen, denen sie Fremde waren. Ausreichende Beweisedafür bietet das alte Testament in der Art, wie es über das Verhältnis derVölker zu ihren Göttern spricht. Indem sich David in der Verbitterung seinesHerzens über die beklagt,welche ihn austrieben, dass er an Jahwes Eigen-tum nicht Teil haben sollte", so lässt er sie damit zu ihm sagen:Gehe hin,verehre andere Götter" (I. Sam. 26, 19). Indem sie ihn zwingen, in einemfremden Land und bei eurem anderen Volke Zuflucht zu suchen, nötigensie ihn damit, seine Religion zu wechseln; denn die Religion eines Mannesist ein Bestandstück semer politischen Gemeinschaft.Deine Schwägerin istzu ihrem Volk und zu ihrem Gotte zurückgekehrt", sagt Noomi zu Ruth,und Ruth erwidert: Dein Volk ist mein Volk und dein Gott ist mein Gott"(Ruth 1, 14 ff.): der Wechsel der Nationalität schliesst so den Wechsel derReligion ein. Jeremia, der durchaus erfüllt ist von dem Bewusstsein, dassalle Religionen ausser der Israels verkehrt sind, bemerkt, dass kein Volk seineGötter umtauscht, wiewohl sie nicht einmal wirkliche Götter ü'.ibs sS_sind (Jer. 2. 11). Die Religion eines Volkes ist eine ebenso feste Grösse wiesein politisches Wesen. Das Deuteronomium, das in gleicher Weise vomStandpunkte des Monotheismus aus redet, sucht die Herrschaft Jahwes mitder Thatsache des Heidentums dadurch zu vereinigen, dass es sagt: Jahwehat die Objecte eines falschen Cultus allen Völkern unter allen Himmelsstrichenzugeteilt" (Deut. 4, 19). Diese Zuteilung falscher Götter an die Völker, wieein Besitztum zugeteilt wird, bringt aufs schärfste die Idee zum Ausdruck, dass