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Die Religion der Semiten
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Quellen und Methode der Untersuchung. \\

Quellen und Methode der Untersuchung.

Der richtige Ausgangspunkt für das Studium der semitischen Religionim allgemeinen ist in Gebieten zu suchen, über die wir zwar erst aus einerspäteren Zeit Kenntnis haben, in denen wir aber einen einfacheren Zustand desLebens treffen, und wo demgemäss die Gestaltungen der Religion, die unsentgegentreten, weniger dunklen Ursprungs und weniger complicierten Cha-rakters sind. In mancher Hinsicht zeigt die Religion des heidnischen Arabien,obwohl wir über sie kaum eine Nachricht haben, die nicht nachchristlicherHerkunft ist, einen äusserst primitiven Typus, der der primitiven und unver-änderlichen Art des nomadischen Lebens entspricht. Mit dem, was aus dieserQuelle zu gewinnen ist, müssen vor allem die unschätzbaren Angaben ver-glichen werden, die das AT. über die Religion der kleinen palästinischenStaaten vor ihrer Eroberung durch die grossen Reiche des Ostens bietet. Fürdiese Periode haben wir, abgesehen von den assyrischen Denkmälern undeinigen wenigen wertvollen Fragmenten anderer inschriftlicher Quellen nebender Bibel keine gleichzeitigen Urkunden. Für die spätere Zeit ist das Be-weismaterial aus Monumenten sehr viel umfangreicher; auch die griechischeLitteratur beginnt, wichtige Hülfe zu leisten. Aber mit eben dieser Periodehaben wir auch die Zeit des religiösen Synkretismus erreicht, d. h.die Zeit, in der die verschiedenen Religionen und Culte sich gegenseitig zubeeinflussen begannen und dadurch neue und complicierte Gestalten der Re-ligion hervorriefen. Wir haben hier also dieselbe Vorsicht zu üben, wie siegegenüber der älteren synkretistischen Religion in Babylonien und Assyrienangezeigt ist. Nur durch sorgfältige Prüfung und Vergleichimg vermögenwir zwischen dem, was altes Herkommen und was junge Neubildung ist, zuscheiden, zwischen dem alten, vererbten Bestände der Religion der Semitenund den Elementen, die von aussen in sie eindrangen.

[ Wir müssen uns von vornherein darüber gewiss werden, dass uns füreine auch nur annähernd vollständige vergleichende Religionsgeschichte derSemiten das Material fehlt; eine solche zu bieten, ist auch nicht die Absichtdieser Darstellung. Aber eine sorgsame Erforschung und Vergleichimg derverschiedenen Quellen reicht Ihn, um uns eine einigermassen sichere und ge-naue Anschauung von einer Reihe der allgemeinen Züge zu geben, die unsin auffallender Gleichmässigkeit in allen Teilen des semitischen Gebiets be-gegnen, und die die Entwickelung der religiösen Anschauungen und des Cultusbis in eine späte Zeit herab bestimmen. Für eine philosophische Betrachtungsind diese weitverbreiteten und stehenden Züge der semitischen Religion derGegenstand des eigentlichen Interesses; in ihnen, nicht in den Dingen, dievon Ort zu Ort, von Zeit zu Zeit sich wandeln, lag die Stärke der semitischenReligion, auf die wir daher den Blick richten, um einen Anhalt für die höchstwichtige Anwendung unserer Untersuchung auf die Thatsachen zu gewinnenund um die grosse Frage nach der Beziehung zwischen den positiven semi-tischen Religionen und dem früheren Glauben der Rasse aufzuhellen.

Bevor wir an die Einzelheiten unserer Darstellung herantreten, scheintes durch die Natur des Gegenstands geboten, noch einige Bemerkungen überdie Methode und den Gang der Untersuchung vorauszuschicken. Um ein richtiges