Einheit und Gleichartigkeit der semitischen Rasse. 9
Zahl der Todesfälle die der Geburten, und die städtische Bevölkerung kannsich daher nur durch beständige Ergänzung vom Lande her erhalten, so dass dasBlut des Landvolks schliesslich doch den Typus der Bevölkerung bestimmt.Daraus ist zu erklären, dass nach der Eroberung Syriens durch die Araberdas griechische Element in der Bevölkerung reissend schnell verschwand. Einerder handgreiflichsten Beweise dafür, dass die Bevölkerung aller altsemitischenGebiete eine bemerkenswerte Gleichartigkeit des Wesens besass, liegt in derThatsache, dass unter ihnen — und unter ihnen allein — die Araber und derarabische Einfluss dauernd Boden gewinnen konnten. Die muslimische Er-oberung dehnte sich weit über diese Grenzen aus; aber ausser in den altsemi-tischen Ländern nahm der Islam überall schnell neue Formen an, und dieVorherrschaft des Arabertums erlag bald den Gegenwirkungen der ihm unter-worfenen fremden Volksmassen.
So weist die ganze geschichtliche Entwickelung seit den ältesten Zeiten,von denen wir authentische Kunde haben, bis zur Zeit des Verfalls desChalifats herab keine grosse, anhaltende Erschütterung der Bevölkerung auf,die den festen Bestand der semitischen Art in ihren ursprünglichen Sitzenbetroffen hätte, abgesehen von der bereits erwähnten, zeitweisen Helleni-sierung der grossen Städte. Solche Umgestaltungen, wie sie vor sich ge-gangen sind, bestanden einerseits in Verschiebungen der Wohnsitze unterden bereits sesshaften Semiten, andrerseits — und zwar in weit stärkeremMasse — darin, dass nachrückende) nomadische Semiten aus der arabischenWildnis in das Culturland eindrangen und dort ansässig wurden. In ihrenWohnsitzen sahen sie sich von einer Bevölkerung umgeben, die ihrer eigenenArt so nahe verwandt war, dass sich eine völlige Verschmelzung der altenund der neuen Einwohner ohne jede Schwierigkeit und ohne Umgestaltungdes allgemeinen Rassencharakters vollzog. Wenn sich die Semiten in ihrenWohnsitzen — abgesehen von den Grenzgebieten — irgendwann mit fremdemBlut in stärkerem Masse vermischt haben, so muss dies in vorhistorischerZeit stattgefunden haben, oder durch eine Mischung mit andern Rassen, diedas Land vor der Ankunft der Semiten inne hatten. Sofern derartiges that-sächlich geschehen sein sollte, kann es nur Gegenstand der Vermutung sein;denn die speziellen Hypothesen, die zuweilen vorgebracht worden sind — zumBeispiel, dass die Phönizier und Kanaaniter in starkem Masse vorsemitischerAbstammung seien — beruhen auf unerweislichen Vermutungen. Sicher istnur, dass die Ansiedelungen der Semiten in Asien bei den ersten Anfängender Geschichte in der That vollendet waren, und dass das semitische Blutseit sehr alten Zeiten durch neue Einwanderungen aus der Wüste beständigverstärkt wurde. Es giebt in der Welt kaum noch ein anderes Gebiet, wowir so gewichtige historische Gründe für die Annahme haben, dass die sprach-liche Verwandschaft einen sicheren Beweis für die Rassenverwandtschaft, so-wohl nach ihrer physischen wie geistigen Eigenart, bietet. Und dieser An-nahme wird durch die Ergebnisse einer genauen Untersuchung nicht wider-sprochen. Alle, die sich mit der Geschichte und Litteratur der semitischenVölker beschäftigt haben, bezeugen übereinstimmend die grosse Familienähn-lichkeit, die in ihnen allen hervortritt.