8 Erstes Kapitel. Einleitung: Gegenstand und Methode der Untersuchung.
, schlössen und eng zusammenhängend ist.TDas feste Centrum ist die gewaltigearabische Halbinsel, ein durch die Natur selbst völlig isoliertes Gebiet, dasdurch seine Naturbeschaifenheit vor Einwanderungen oder einem Wandel seinerBewohner fast gänzlich bewahrt blieb. Von dieser centralen Feste aus, diedie vorherrschende Ansicht der Forscher als den wahrscheinlichen Aus-gangspunkt für die Ausbreitung der Semiten bezeichnet, dehnt sich der Bereichder semitischen Sprache rings um den Rand der syrischen Wüste aus, bis erauf grosse natürliche Grenzen stösst, auf das Mittelmeer, den Taurus, dieGebirge Armeniens und Irans. Seit den frühesten Anfängen der Geschichtewar alles Gebiet, das innerhalb dieser Grenzen liegt, von semitischen Stämmenbesetzt, die semitische Dialekte sprachen; und der geschlossene Zusammenhangdieser Siedelungen musste notwendig dahin wirken, dass die Einheit des Rassen-typus bewahrt blieb. VWenn auch die einzelnen semitischen Völker nicht inunmittelbarem Zusammenhange mit einander blieben, so waren sie doch nichtdurch fremde Völkerschichten geschieden, sondern nur durch die natürlichenSchranken des Gebirges und der Wüste. Die natürlichen Völkerscheiden warenallerdings zahlreich und trugen dazu bei, dass sich die Rasse in eine Anzahlkleiner Stämme oder Völkerschaften auflöste. Aber sie waren — wie auchdie Gebirge in Griechenland — nicht so furchtbar, um die getrennten Staaten zuhindern, einen regen Verkehr zu unterhalten, der — mochte er friedlicher oderkriegerischer Art sein — zur Bewahrung der ursprünglichen, gemein-samen Eisenart mitwirkte. Auch wurden die Wirkungen dieser Ursachen inalten Zeiten nicht durch grosse, fremde Einwanderungen gehemmt. Demfrühesten Eindringen der Aegypter in Syrien folgte keine Colonisation. Undwährend die Denkmäler der Hethiter den Beweis liefern, dass einst ein nicht-semitisches Volk aus Kleinasien in das nördliche Syrien vordrang, so ist dochziemlich ersichtlich, dass die Hethiter der Bibel, d. h. die nicht-aramäischenStaaten in Cölesyrien, ein Zweig des kanaanitischen Stammes waren, obgleich siezeitweilig durch eine nichtsemitische Aristokratie mögen beherrscht worden sein.Einst war es nicht ungewöhnlich, die Philister als ein nichtsemitischesVolk zu bezeichnen, f. Jetzt ist indes allseitig zugestanden, dass die Gründefür diese Ansicht nicht ausreichend smd, und dass sie, obgleich sie über dasMeer, von Kaphtor, das ist wahrscheinlich Kreta, nach Palästina kamen(Arnos 9, 7) entweder vorwiegend semitischen Stammes oder wenigstens zur Zeit<s ihrer Einwanderung — in Sprache und Religion gleicherweise — vollständigsemitisiert waren.
T"Gehen wir in spätere Zeiten herab, so finden wir, dass die assyrischen,babylonischen und persischen Eroberungen eine erhebliche Umwandelung desallgemeinen Typus der Bevölkerung in den semitischen Ländern nicht bewirkthaben. Wohl wurden die Grenzen von Völkern und Stämmen verschoben, undganz erhebliche Umwälzungen der Bevölkerung vollzogen sich im Bereicheder semitischen Welt, aber es erfolgte kein grosses Einströmen von Massen einerneuen Bevölkerung fremden Stammes. In der griechischen und römischenPeriode hingegen drangen volksfremde Elemente in grösserer Anzahl indie Städte Syriens ein; da diese Einwanderung aber thatsächlich auf die Städtebeschränkt blieb und das flache Land kaum berührte, so war ihre Ein-wirkung auf die Umgestaltung des Rassentypus, wie es den Anschein hat,durchaus vorübergehender Art. In den Städten des Orients übersteigt die