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Die Religion der Semiten
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ß Erstes Kapitel. Einleitung : Gegenstand und Methode der Untersuchung.

mitische Sprache, und doch ist die Bevölkerung noch sehr weit von einemAufgehen im arabischen Volkstum entfernt. Aber selbst die Annahme derSprache würde ohne den Koran und die Religion des Koran kaum erfolgt sein.

Einheit und Gleichartigkeit der semitischen Rasse.

Die semitischen Völker sind auf Grund ihrer sprachlichen Verwandt-schaft eng verknüpft; wir haben indes ausreichende Gründe, um die sprach-liche Verwandtschaft nur als eine Aeusserung der scharf bestimmten, allge-meinen Einheit der Rasse zu betrachten. Diese Einheit ist freilich keine voll-kommene.p'Es würde z. B. nicht zulässig sein, ein allgemeines Bild des semi-tischen Charakters aus der Eigenart der arabischen Nomaden abzuleiten unddieses dann etwa auf die alten Babylonier übertragen zu wollen. ZweiGründe sprechen offenbar dagegen. j~Einmal waren die physischen und in-neren Verhältnisse, unter denen sich das Leben der Semiten in der arabischenWüste und im babylonischen Stromlande gestaltete, durchaus verschieden.Der Unterschied der äusseren Umgebung ist der denkbar grösste. Andrer-seits steht ziemlich sicher fest, dass, die Araber der Wüste seit undenklichenZeiten eine thatsächlich unvermischte Rasse bildeten, während die Babylonierund andere Völker der gleichen Familie, die an den Grenzen des semitischenGebietes sassen, höchst wahrscheinlich in starkem Masse mit dem Blutefremder Rassen gemischt waren und eine dem entsprechende Umgestaltungdes Rassentypus erfuhren. Aber selbst wenn alle nachweisbaren oder mög-lichen Umgestaltungen des Typus innerhalb des Bereichs der Semiten zu-gestanden werden, so bleibt immer noch sicher, dass die Semiten eine (be-sonders scharf bestimmte und im ganzen genommen völlig homogene Völker-familie bilden. Sofern die Sprache in Betracht kommt, ist dieser Thatbestandganz besonders ersichtlich.

Die semitischen Sprachen sind einander so ähnlich, dass ihre Verwandt-schaft selbst von einem ungeschulten Beobachter erkannt wird; die modernewissenschaftliche Forschung hat kaum Schwierigkeiten, wenn sie dieselben aufeine einzige Grundform zurückführt und im allgemeinen feststellt, welchesdie Grundzüge dieser Sprache waren. Andrerseits sind die Differenzen zwi-schen den semitischen und anderen, von den angrenzenden Völkern gespro-chenen Sprachen so fundamental und weitgehend, dass über einen Zusammen-hang zwischen den semitischen Dialekten und anderen Sprachstämmen wenigoder nichts mit Sicherheit behauptet werden kann. Am nächsten verwandtzu sein scheinen sie mit den Sprachen Nordafrikas; aber selbst hier werdendie gemeinsamen Züge durch tiefgehende Unterschiede aufgewogen 2 . Der

2) [Der sprachgeschichtliche Zusammenhang zwischen dem Semitischen und denSprachen des sog. hamitischen Sprachstammes, auf den R. Smith hier hinweist,hat sich durch neuere Forschungen immer mehr als Urverwandtschaft erwiesen. Der hami-tische Sprachstamm umfasst drei Sprachgruppen: das Aegyptische, diekuschitischen"Sprachen in Ostafrika und die libyschen Sprachen in Nordwestafrika. Ueber den ganzenSprachstamm s. B Lcpsius, Nubische Gramm. 1880. Einl. p. VI ff. B. N. Cust, Sketchof modern languages of Africa. London 1884. Fr. Miller, Grundriss der Sprachwissensch.III, 2 p. 226314. Fr. Müller, Allgem. Ethnographie. 2 Wien 1879, p. 499 - 504. DieErforschung des Verhältnisses der einzelnen hamitischen Sprachen zu einander wie zumSemitischen steht noch in den Anfängen. Indes haben alle drei hamitischen Sprach-gruppen sowohl in den Principien als auch vielfach in den Elementen des grammatischen