Die Sprache als Rassenmerkmal. 5
teils über vererbte physische Merkmale, teils über die geistige Eigenart, überSitten und Gewohnheiten, wie solche gewöhnlich von den Vorfahren auf dieNachkommen fortgepflanzt werden, j Unter den indirecten Kriterien der Ver-wandtschaft zwischen Völkern ist das unverkennbarste und bis jetzt am sorg-fältigsten erforschte das Kennzeichen der Sprache. Die wissenschaftlicheBeobachtung hat ergeben, dass die gesammten Sprachen der Menschheit eineReihe von natürlichen Gruppen bilden, und dass es innerhalb jeder Gruppeuiöoiich ist, die einzelnen Sprachen, die sie umfasst, gewissermassen nacheinem genealogischen Zusammenhange zu ordnen, der den Graden der Ver-wandtschaft entspricht. Freilich ist es nicht überall sicher, dass Völker vongleicher oder verwandter Sprache auch nach ihrer thatsüchlichen Abkunfteng verknüpft sind, wie sie es nach der Sprache, die sie reden, zct sein scheinen.So kann ein Stamm der Galen seine eigne, alte Sprache vergessen und einengermanischen Dialekt annehmen, ohne damit aufzuhören, dem Blute nach reingälisch zu sein.
Im allgemeinen aber wechseln grössere Völkergruppen nicht leicht ihreSprache, sondern sie fahren von einer Generation zur andern fort, die vonden Vorfahren überkommene Sprache zu sprechen, nur mit solchen graduellenUmgestaltungen, wie sie der Verlauf der Zeit notwendig mit sich bringt. Inder Regel wird daher die Classification der Menschheit nach der Sprache,wenigstens in Beziehung auf die grossen Völkergruppen, ziemlich genau dernatürlichen Einteilung entsprechen. In vielen Fällen ergiebt sich bei nähererPrüfung, dass die Sprache gemischter Rassen demjenigen Stamme angehört,dessen Blut das vorherrschende ist. Wo dies nicht der Fall ist, wo eine Mi-norität ihre Sprache auf ein grösseres Volk ausgedehnt hat, da können wirmit Sicherheit schliessen, dass sie dies vermöge einer natürlichen Ueberlegen-heit vermocht hat, dass sie die Kraft besass, niedriger stehenden Rassen dieFormen ihrer Eigenart anzupassen, was dann aber nicht auf das Gebiet derSprache beschränkt blieb, sondern sich auf alle Seiten des Lebens ausdehnte.Wo wir Gemeinschaft der Sprache finden, können wir wenigstens mit Be-stimmtheit sagen, dass wir es mit einer Gruppe von Menschen zu thun haben,die gemeinsamen Einwirkungen der feinsten und weitreichendsten Arten unter-stand ; und wo die Einheit der Sprache viele Generationen hindurch geherrschthat, da dürfen wir sicher sein, dass die ununterbrochene Wirkung dieser Ein-flüsse eine grosse Gleichartigkeit im physischen wie im geistigen Wesen bewirkthat. Wenn wir es dagegen mit Völkergruppen zu thun bekommen, die einelange, gesonderte geschichtliche Entwickelung erlebten, deren Sprachen dahernicht identisch, sondern nur verwandt sind, so liegt der Fall nicht ganz so.Im allgemeinen aber bleibt es sicher, dass ein Stamm, der entwederdurch Volkszahl oder Begabung kräftig genug ist, seine Sprache auf einanderes Volk zu übertragen, auch in anderer Hinsicht auf den nationalenCharakter einen bestimmenden Einfluss ausüben wird; und in dieser Ausdeh-nung muss die Classification der Rassen nach der Sprache eine natürliche,keineswegs eine künstliche, genannt werden. Besonders gilt dies für dieältesten Zeiten, wo das Fehlen jeder Litteratur, besonders an religiösen Büchern,es für eine Sprache weit schwieriger machte, als es für eine Sprache derNeuzeit ist, in einer Rasse die Herrschaft zu gewinnen, der sie ursprünglichdurchaus fremd war. Alle Aegypter sprechen heute Arabisch, also eine se-