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Die Religion der Semiten
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4 Erstes Kapitel. Einleitung : Gegenstand und Methode der Untersuchung.

wandt war. Die Bevölkerung dieses ganzen Gebiets bildet eine scharf um-grenzte ethnographische Einheit, eine Thatsache, die man durch die gemein-same Bezeichnung dieser Völker alsSemiten" auszudrücken pflegt. DieWahl dieses Namens war ursprünglich durch Gen. 10 nahegelegt, wo diemeisten Völker dieser Familie, mit der wir uns hier beschäftigen, als Nach-kommen Sems, des Sohnes Noahs, bezeichnet werden. Aber wenn auch neuereHistoriker und Ethnographen den Namen aus der Genesis entlehnt haben,so ist doch zu beachten, dass sie damit die semitische Völkerfamilie nicht mitdem Kreise aller der Völker identifizieren, die in Gen. 10 als Kinder Semsaufgeführt werden. Die neusten Exegeten neigen überhaupt zu der An-sicht , dass die Classification der Familien des Menschengeschlechts , die inGen. 10 gegeben ist, mehr auf geographische und politische Verhältnisse alsauf ethnographische Beziehungen begründet ist. Die Phönicier und andereKanaaniter werden z. B. als Kinder Harns bezeichnet und damit zu nahen Ver-wandten der Aegypter gemacht. Diese Anordnung entspricht durchaus denhistorischen Beziehungen; denn in einer Periode vor der Eroberung durch dieHebräer war Kanaan Jahrhunderte hindurch von Aegypten abhängig, unddie Religion und Cultur der Phönicier waren durchsetzt von ägyptischen Ein-flüssen 1 .] Ethnographisch aber waren die Kanaaniter den Arabern und Syrernverwandt und redeten eine Sprache, die vom Hebräischen kaum verschiedenist. Andererseits werden Elana und Lud, d. h. Susiana und Lydien, als KinderSems bezeichnet, obgleich kein Grund zu der Annahme vorliegt, dass nochin irgend einem anderen Gebiete die grosse Masse der Bevölkerung zu der-selben Völkerfamilie wie die Araber und Syrer gehörte. Darnach ist fest-zuhalten, dass neuere Gelehrte die Bezeichnung semitisch" nicht als Ergebnisder Exegese von Gen. 10 anwenden, sondern dass sie damit alle die Völkerzusammenfassen, deren besondere, wesentliche ethnographische Merkmale sieals Glieder eines Stammes zusammen niit den Hebräern, Syrern und Arabernbezeichnen.

Die Sprache als Rassenmerkmal.

Die wissenschaftliche Bestimmung einer ethnographischen Gruppe istvon vielfachen Erwägungen abhängig; ein directer historischer Beweis vonvöllig nnumstösslicher Gewissheit für die ursprünglichen Sitze und die Ver-wandtschaft der Völker ist gewöhnlich nicht erreichbar. Die Lücken derhistorischen Ueberlieferung müssen daher ergänzt werden durch Beobachtungen

I) [Ueber die geschichtlichen Beziehungen zwischen Aegypten und den vorderasia-tischen Ländern vergl. besonders Ed. Meyer, Geschichte des alten Aegyptens. Berlin1887, p. 225231. Ed. Meyer, Geschichte des Altertums. Bd. I, 253 ff.

Ein ganz neues Licht ist auf diese "Verhältnisse durch den Thontafelfund vonTeil el-Amama (1888) gefallen. Vergl. die Ausgaben The Teil el-Ämarna tablets in theBritish Museum (von C. Bezold). London 1892. Der Thontafelfund von El-Amarna.Herausgeg. von Hugo Winckler. Berlin 188990 (Mittheilungen aus den oriental.Sammlungen der Königl. Museen zu Berlin. Heft IIII). H. Zimmern, Briefe ausdem Funde in El-Amarna in Transscription und Uebersetzung. ZA. V, 137165. H.Zimmern, Die Keilschriftbriefe aus Jerusalem. ZA. VI, 245-263. H. Zimmern, Pa-lästina um das Jahr 1400 v. Chr. nach neuen Quellen. ZDPV. XIII, 1891, p. 133 - 147.Von besonderer Wichtigkeit: Hugo Winckler, Die Thontafeln von Tell-el-Amarna.Keilinschriftl. Bibliothek. Bd. V. 1896. Dazu Ed. Meyer, Glossen zu den Thontafel-briefen von Teil el Amarna inAegyptiaca". Festschrift für Georg Ebers. 1897, p. 6276].