Vorwort des Verfassers zur ersten Ausgabe. XI
wickelungsstufen und den Religionen der den Hebräern durch natürliche Ab-stammung verwandten Völker, mit denen sie zugleich in ihrem geschicht-lichen Leben in ständiger Berührung stand.
Den Plan, der mich in der Durchführung der Aufgabe leiten sollte,habe ich im ersten Kapitel dargelegt. Ich gehe von den Institutionender Religion aus; und zwar werden in dem vorliegenden Werke solcheInstitutionen erörtert, die man als die fun d am ent al en Institutionen derReligion bezeichnen darf, vor allem das Opfer, dem reichlich die Hälftedes Buches gewidmet ist. Man wird es leicht begreifen, dass es mir im Ver-laufe meiner Erörterung angemessen schien, zahlreiche Dinge, die nicht vonfundamentaler Bedeutung sind, in die Darstellung da aufzunehmen, wo sieam besten ihre Erklärung finden konnten. Andererseits gebe ich zu, dassdie, welche sich mit dem Gegenstand eingehender beschäftigen, bisweilen ge-neigt sein mögen, gewisse Dinge als fundamental zu betrachten, die ich nochzurückstellen musste.
Indes hoffe ich, dass im ganzen das vorliegende Werk als seinem Titelentsprechend befunden wird, sofern es eine annähernd adäquate Analyse dergrundlegenden Principien des semitischen Cultus enthält. In mancher Hinsichtwürde es in der That auch mich selbst in höherem Grade befriedigen, die Ver-öffentlichung der ersten Vorlesungsfolge zu verschieben, bis es mir möglich wäre,die Darstellung des Gegenstandes in seinem ganzen. Umfange, der primärenwie der abgeleiteten Institutionen, abzuschliessen. Die Rücksicht auf die-jenigen, welche etwa die zweite Reihe von Vorlesungen zu hören wünschten,schien es indes zu erfordern, dass ihnen die Begründungen und Ergebnisse,von denen diese Vorlesungen ausgehen mussten, im Druck zugänglich waren.
Ueberdies ist derjenige, der bei der Behandlung eines Gegenstandes,wie es der hier vorliegende ist, eine nicht unbeträchtliche Fülle neuer Ge-sichtspunkte vorgetragen hat, deren Wert erst durch die Kritik zu prüfenist, eher darauf bedacht, das Urteil der Forscher über den ersten Teil seinesWerkes zu vernehmen, bevor er sich entschliessen wird, an weitere Ausfüh-rungen heranzutreten.
Ich will noch bemerken, dass der Umfang der Vorlesungen, wie sie hiergedruckt vorliegen, gegenüber den gehaltenen Vorträgen beträchtlich erweitertist. Von den elf Vorlesungen sind nur neun in Aberdeen gehalten worden;die beiden letzten sind liier angefügt, um die Erörterung über das Opfer-ritual zu vervollständigen.
Bei der Mitteilung einer Fülle weit zerstreuter Belege, auf denen dieBeweisführung ruht, habe ich mich vielfach auf die Forschungen einer An-zahl von Gelehrten gestützt, die an dem betreffenden Orte erwähnt werden.Für Arabien konnte ich mich ständig auf das ausgezeichnete Werk meinesFreundes J. Wellhausen, Reste arabischen Heidenthumes (Berlin 1887.2. Aufl. 1897), beziehen, wo das noch vorhandene Material für diesen Zweigdes semitischen Heidentums vollständig gesammelt und mit dem bekanntenScharfsinn des Verfassers erörtert ist. Für die übrigen Kreise des semitischenHeidentums giebt es keine massgebende Darstellung systematischer Art, aufdie man in gleicher Weise Bezug nehmen könnte. Vielfach wurde das Werkvon Movers über die phönicische Religion als eine massgebende Autoritätfür das Heidentum der Nordsemiten angesehen. Aber trotz all seiner Gelehr-