Druckschrift 
3 (1883)
Seite
583
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WIESBADER GLOSSEN. 583

Liber Scivias*) simplicis hominis, das Hildegard im Jahr 1148angefangen und erst zehn Jahre nachher vollendet hatte; ihreerste Arbeit, Liber divinorum operum, fällt in das Jahr 1147.In jener vollständigeren Handschrift befindet sich ein Stück, dasbisher wenig ist beachtet worden, nämlich Blatt 910 c913 aufelf Spalten mit der rothen Überschrift »Ignota lingua p sim-plicem nomine hildegarde prolata« in fortlaufenden Zeilen eineZusammenstellung von etwa neunhundert Wörtern, die einerunbekannten Sprache zugehören. Bei dem grösseren Theil isteine lateinische Erklärung übergeschrieben, bei etwa einemDrittel eine Deutsche: nur in wenigen Fällen sind beideSprachen zugleich angewendet. Ich habe im Jahr 1833 voll-ständige Abschrift davon genommen, hier aber nur die deutschenWörter mit den dazu gehörigen der unbekannten Sprache undden wenigen lateinischen herausgehoben. Graff hat bei seiner 335früheren Anwesenheit in Wiesbaden zwar, wie man mir sagte,die Handschrift in Händen gehabt, aber im Sprachschatz keinenGebrauch davon gemacht; vielleicht hat er, weil auf der erstenSeite keine deutsche Glosse vorkommt, die folgenden nicht näherangesehen. Da i nur selten mit einem Strich unterschiedenund daher öfter ungewiss ist ob iu oder ui muss gelesen werden,so kann ich nicht dafür stehen bei der unbekannten Spracheüberall richtig gelesen zu haben. Die Abschnitte, die durchgrosse rothe Anfangsbuchstaben bezeichnet sind, habe ich beimeinem Auszug durch eingeklammerte römische Ziffern getrennt.Ich will zunächst den Inhalt der Sammlung angeben.

(I) den Anfang macht deus Aigonz. angls Aieganz. scsZiuienz. Saluator Liuionz. Diabolus Diuueliz. Dann mensch-liche Verhältnisse, besonders verwandtschaftliche, zuletzt werdenkranke benannt.

(II) lingua Ranzgia beginnt und sollte durch einen rothenAnfangsbuchstaben unterschieden sein, es ist aber noch zu demvorigen Capitel gerückt, und auf der folgenden Seite folgt dannebenfalls mit einem grösseren schwarzen Anfangsbuchstabencaput Hoil. Die Theile des menschlichen Leibes werden ge-

*) [Jacob Grimm: wisse die Wege, wie Gardevias.l