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121 DIE SAGE VOM URSPRUNG DER CHRISTUSBILDER.
(Gelesen in [der Gesammtsitzung] der Akademie der Wissenschaften amII. und 22. December 1842.)
Abhandlungen der KÖnigl. Akademie der Wissenschaften zu Berlin (phil.-hist.Klasse). 4°. 1842, S. 121 — 175. Einzeln Göttingen bei Dieterich.
I.
Wo
die Kunst als ein Bedürfnis des menschlichen Geisteserwacht, da wendet sie sich zuerst zu der Darstellung religiöserIdeen. Bei den Griechen ist sie aus bedeutungsvollen Mythenhervorgewachsen: bei den christlichen Völkern hat sie aus derheiligen Geschichte ihre erste Nahrung empfangen und ist aufdiesem Wege in allmählicher Erstarkung zu ihrer Blüthe auf-•gestiegen. Eine ihrer höchsten Aufgaben war die Darstellungdes Heilandes selbst, welche die göttliche und menschlicheNatur in ihrer Vereinigung irdischen Augen sichtbar machensollte. Eine Geschichte der Christusbilder würde demnach ebensofür die Geschichte der Kunst überhaupt, als für die Erklärungund das Verständnis einzelner, zumal älterer Kunstwerke vonentschiedenem Werthe sein. Über die ersten Anfänge bis etwazu dem siebenten Jahrhundert hat man gelehrte Forschungen,und die wenigen bis dahin entdeckten Denkmäler dieser Zeitsind beschrieben und abgebildet 1 ): doch nach einer Zusammen-stellung der Christusbilder oder der Nachrichten von ihnen ausder folgenden Zeit habe ich mich vergeblich umgesehen.
Die Kunst nimmt nach den ersten Versuchen bald typischeNatur an und erhält sich darin lange: so lange nämlich, als sie122 von einer aus der Mitte des Volksglaubens entsprungenen An-sicht, von einem gemeinsamen Gefühl genährt und getragenwird. Diese Grenze zu überschreiten erlaubt sie sich nicht,
') P. E. Jablonski de origine imaginum Christi Domini in ecclesia christiana.Opusc. 3, S. 377 — 406 (1809). Sickler über die Entstehung der christlichenKunst und ihrer Religionsideale mit Abbildungen in dem Almanach ausRom 1810, S. 153—196. Munter Sinnbilder und Kunstvorstellungen der altenChristen. Zwei Hefte mit Steindrucktafeln und Kupfern. Altona 1825. 4.In der Einleitung S. 24 findet man weitere literarische Nachweisungen.