GLOSSAE CASSELLANAE. 381
aber nur in einigen Fällen streng durchgeführt, meist drängensich spätere dazwischen.
In Mch. ist die Sprache sichtbar weiter geschritten: hierredja und einmal ander, kein ai und e für ei, kein ao für 6,kein 6 für uo, vorherrschend ga-, einige Mal inlautend ch für h,die anlautende Aspirata th statt d hat das Übergewicht. Dem-nach wird man Css. noch in das achte, Mch. in den Anfangdes neunten Jahrhunderts setzen müssen; vergl. Grammatik l 3 ,S. 122 Anm. Dabei kann bestehen dass auch in Mch. einigealterthümlichere Formen vorkommen wie leran galeran ga-laupjan.
Die glossae cassellanae schliessen sich in der einzigenHandschrift, in welcher sie erhalten sind, der Exhortatio un-mittelbar an, ohne damit in irgend einem Zusammenhang zustehen: man weiss überhaupt nicht was sie hier sollen. Aufdie Glossen folgt, mit einem neuen, doch zu derselben Lagegehörigen Blatt, etwas anderes, was mit ihnen ebensowenig' inVerbindung zu bringen ist, »Incipit conftitutio et fidef. Niceniconcilii fubditif capitulis fuis«. Eccard hat im Jahr 1729 inder Francia orientalis 1, p. 853 — 863 die Glossen mit weit-läufigen Anmerkungen bekannt gemacht. Da jener Zeit einegründliche Kenntnis des Althochdeutschen abgieng, so hat erhäufig falsch gelesen und noch öfter in den Erklärungen geirrt:aber er hat sich redlich dabei bemüht und manchmal etwasglücklich getroffen. Lange Zeit geschah für dieses Denkmalnichts, bis Graff bei seinem Aufenthalt in Cassel Eccards Ab-druck mit der Handschrift verglich und den Ertrag seiner Be-mühung in der Diutisca 3, p. 211—212 mittheilte. Die Wichtig-keit der Glossen konnte ihm nicht entgehen, man durfte alsoetwas Besseres von ihm erwarten: allein er hat nur einiges be-richtigt, anderes hat er falsch gelesen, ja es kommt vor dassEccard genauer gesehen hatte. Aber nicht bloss fehlerhaft,auch unvollständig sind die Casseler Glossen in den Sprach-schatz eingetragen; ich werde Belege davon genug liefern