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3 (1883)
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208 ZD WALTHER VON DER VOGELWEIDE.

381 ZU WALTHER VON DER VOGEL WEIDE.

Zeitschrift für Deutsches Alterthum. Herausgegeben von Moriz Haupt.Fünfter Band. Leipzig, Weidmann'sche Buchhandlung. 1845. 8. S. 381384.

JJei dem Anblick des Landes, wo Christus selbst mensch-lich wandelte und uns'erlöste, ruft Waltber aus (15, 18) woldir, sper kriuz unde dorn! Heil dir Christenheit! Hier wird dieDornenkrone gemeint; das würde unzweifelhaft sein auch ohnedie Bestätigung einer entsprechenden Stelle (25, 13), wo esheisst: künec Constantin der gap so vil dem stuol ze Röme,sper kriuz und kröne. Der Dichter will sagen, Constantin habedem Papst grosse Macht und Gewalt verliehen, indem er ihmdiese drei Stücke als Reliquien verehrte, die hier als Symbole derHerrschaft genannt werden. Im Orendel (38103816), dessenGrundlage in das zwölfte Jahrhundert gehört, geschieht ihrergleicherweise Erwähnung; Frau Breide opfert bei dem heiligenGrabe auf die drei Nägel, die dem Heiland durch Hände undPüsse geschlagen waren, auf das Speer und auf die Krone, dieer bei seiner Marter trug. Nach dem Antichrist (Fund-gruben 2, 110, 26. 27) bringt ein Frankenkönig Speer, Schwert,Krone und Kreuz nach Jerusalem, und ebendaselbst (131, 15)wird gesagt, dass Christus, wenn er an dem jüngsten Tag zuGericht sitze, die Dornkrone, Kreuz, Speer und Schwamm zeigenwerde. In einer dritten Stelle bei Walther (37, 6), aber ineinem Liede, das Lachmann aus guten Gründen für unecht hält,heisst es: sin lip wart mit scharpfen dornen gar verseret. Wirdauch hier die Dornenkrone gemeint? Weder die Worte nochder Zusammenhang erlauben eine solche Deutung. Lip als382 gleichbedeutend mit houbet zu betrachten, kann ich hier amwenigsten gelten lassen; auch ward die Dornenkrone dem Hei-land aufs Haupt gesetzt, nachdem sein Leib schon blutig ge-geiselt war; sie sollte mehr verhöhnen als verwunden. Un-mittelbar nach jenen Worten wird hinzugefügt: dennoch wart