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3 (1883)
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346
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346 DIE SAGE VON ATHIS UND PROPHILIAS.

DIE SAGE VON ATHIS UND PROPHILIAS.

Zeitschrift für deutsches Alterthum. Herausgegoben von Moriz Haupt.Zwölfter Band. Berlin, Weidmannsche Buchhandlung. 8°. 1865. S. 185203.

185 _Ln der Einleitung zu den Bruchstücken des altdeutschen,

einem französischen nachgebildeten Gedichts von Athis undProphilias habe ich (S. 52. 53 [= S. 274]) die Gründe ange-geben, weshalb ich glaube, dass dem ersten Theil desselbeneine etwa im elften Jahrhundert abgefasste neugriechische Dar-stellung einer weitverbreiteten Sage zu Grund liege, von dessenDasein ich jedoch keine Spur habe entdecken können. Es istnoch übrig andere verwandte Überlieferungen zusammenzustellenund zu vergleichen.

1. Von dem altfranzösischen Gedicht muss ich zuvor denInhalt kurz angeben.

Prophilias, ein junger Römer, wird von seinem Vater Evasnach Athen geschickt, um den Unterricht seines Freundes Saviszu geniessen, und ebenso wollte dieser seinen Sohn Athis zudem Evas nach Rom senden, um dort den Kriegsdienst zu er-lernen. Bei der Ankunft des Römers bleibt Prophilias in Athen,und beide schliessen sich als Freunde aneinander.

Athis bringt den Prophilias zu seiner Braut Cardiones. Beiihrem Anblick wird er von heftiger Liebe entzündet, die ihmeine schwere Krankheit zuzieht. Am Hochzeitstag entlockt*)ihm Athis das Geheimnis, und um ihn vom Tod zu erretten,entschliesst er sich, dem Freund seine Geliebte zu überlassen.Prophilias wird in der Dunkelheit von Athis zu dem Brautbettgeführt und nimmt dessen Stelle ein. Als er die Rechte einesEhemannes geltend gemacht hat, zieht er der getäuschten Car-diones den Ring vom Finger und kehrt zum Athis zurück. Sobringt er jede Nacht bei ihr zu, die immer an der Seite desAthis zu liegen glaubt.

*) [Im Text steht fälschlich: erst lockt.]