Druckschrift 
3 (1883)
Seite
519
Einzelbild herunterladen
 

DEUTSCHE WÖRTER FÜR KRIEG. 51 9

Heljand nur einige, die nahe beisammen stehen (S. 160166):im Altfriesischen ist bloss die Zusammensetzung wigandlike(Richthofen 1148) noch übrig und in der alten Edda (Gudrunar-quida 1, 4) und in Grägäs steht nur einmal vegandi: dagegenfindet wigend im Angelsächsischen volle Anwendung; unter unshat sich das Wort noch heute als Eigennamen erhalten, freilichunverstanden, wie, Masc. und Neutr., ist im Althochdeutschengerade nicht selten, in früheren Zeiten muss sein Gebrauch nochausgebreiteter gewesen sein, das zeigen die häufigen Zusammen-setzungen damit, zumal in Eigennamen (Graff 1, S. 706707);in diesen dauert es bei uns noch fort, Beispiele sind Wiehert,Wichmann, Wikram, Ludwig, Hedwig 1 ). Auch im Heljandzeigt sich wig und im mitteldeutschen Hildebrandslied, wie inder Edda, im Altfriesischen und Angelsächsischen. Dem letzterneigenthümlich ist wiga bellator.

Es fällt auf, dass Ulfilas ein anderes Substantiv gebraucht,das Fem. vaihjö |xd^vj (Gramm. 3, S. 502 väihjo, von veigan nachJacobi, Bildung des Pronom., p. 32) und das Gramm. 4, S. 105(vgl. Gablentz und Lobe zu Lucas 14, 31) zuerst nachgewiesene,ans veigan gebildete vigans ttoXeiaoc*). Sollte ein besonderer Grund

') Die deutschen Eigennamen kriegerisch, vgl. Wackernagel, deutscheLitteratur, p. 8. [Zettelnotiz.]

*) [Zum Folgenden finden sich auf einem Blatt nachstehende BemerkungenJacob Grimms:

vigans habe ich Gramm. 4, 105 zuerst aufgestellt.

Das goth. Wort ist veihan zu schreiben, obwohl veigan vorkommt. Jeneshängt zusammen mit veihs sanetus. Myth. p. 58.

Es braucht nicht aufzufallen, dass bei Ulfilas kein veihands bellator vor-kommt; der Text führte nicht darauf.

Die Stelle bei Conrad [s. unten S. 521 f.] scheint mir nach dem angeführtenficus non florebit der Vulg. unangreifbar. Ficus bedeutet im Lat. Baum undFrucht. Da der Dichter sicher an die biblische Stelle dachte, darf nichtbalsamtte geändert werden.

Ich würde ausgegangen sein von einer Feststellung der Begriffe bellumund pugna. Bellum ist die zwischen Völkern oder Stämmen öffentlich aus-gebrochene Zwietracht, der Gegensatz von Friede. Man könnte nicht vomsiebenjährigen Kampf sprechen, aber die einzelnen Wörter mengen beides.

Es ist mir merkwürdig, dass die roman. Sprachen ihr guerra von uns ent-lehnten, wir unser Krieg von ihnen borgten. Denn dies Krieg wird ursprüng-lich nichts als cri: Schrei, Lärm, Kriegsgeschrei bedeuten. Es galt noch nicht