518 DEUTSCHE WÖRTER FÜR KRIEG.
Ein Beispiel auswählen, das den Gang zeigt, den dieSprache genommen hat. Ich wählte ein Wort, dessen Begriffnicht entbehrt werden [konnte] und dessen Inhalt von dem jedes-maligen Zustand abhängig war.
Ahnliche Aufgabe hat sich Benecke bei aventiure gemacht.Aber er hat das Geschichtliche nicht recht hervorgehoben (?).
Das Wort hat seine organische Form, und darin bestehtsein Leben, die menschliche Seele bläst ihm aber erst denGeist ein, von ihm empfängt es seine Bedeutung. Ein buch-stäbliches Verständnis gibt es nicht, der Gehalt eines Wortssteigt und sinkt, dehnt sich aus oder zieht sich zurück, im Ein-zeln erscheint das noch Willkür, aber im Grossen hängt es vondem Gang der Bildung ab, der wieder grossen Naturgesetzenfolgt.
Das ist die Geschichte unserer Sprache, der Geist wächst,aber das Mittel, das uns zu seiner Äusserung anvertraut ist,erkaltet langsam wie die Erdrinde, und wir bemühen uns nurarbeitsam die Oberfläche zu durchfurchen, um den täglichenBedarf zu erzielen.
Gerade die Ausdrücke, denen ursprünglich die wichtigsteBedeutung zukam, wie werre, urliuge, erscheinen schon in Ab-nahme.
ERSTE ABTHEILUNG: WIC." wie bezeichnet gewöhnlich den aus Zwietracht der Völkerentstandenen Waffenkampf, aber schon in Muspilli (44. 53) auchden Zweikampf. Das starke Verbum, von dem es abstammt,erscheint, wiewohl unhäufig, noch im gothischen veigan, angel-sächsischen wigan, nordischen vega proeliari, aber nicht mehrim Althochdeutschen (? cf. Graff 1, S. 701. Ziemann 646), Alt-sächsischen und Altfriesischen. Doch hat sich in den drei letzt-genannten Sprachen das daraus gebildete wigant Krieger er-halten, das bei Ulfilas fehlt: Graff hat 1, S. 707 nur wenige, bisauf Mart. Capella aus Glossen entnommene Beispiele, auch im