ALTDEUTSCHE GESPRÄCHE. NACHTRAG. 503
zeigen. Demnach wären für die Gespräche jetzt drei Verfasseranzunehmen: dem ersten fällt 13 — 36 zu, dem zweiten 37—41und 43 — 79, dem dritten 80—106; ich lasse es dahin gestelltsein, ob man Zeile 42 als den Zusatz eines vierten betrachtenoder sie noch dem zweiten beilegen will.
Ich habe bei der Erklärung des vaticanischen Blattes nichtvon Verfassern, sondern von Schreibern geredet und mehreren 244die Bemühung beigelegt, eine alterthümlicheSchrift nachzuahmen: 12jetzt, wo sich ausweist, dass alles Deutsche in diesem Codex?selbst die aus Tatian entnommenen Stellen, sehr wahrscheinlichvon einer und derselben Hand herrühren, bin ich der Meinung,dass in der Urschrift Verschiedene nach einander das nichtschwierige Geschäft übernommen hatten, den angefangenen Ge-sprächen zuzusetzen was ihnen in dieser Art einfiel und wassie für Reisende nützlich hielten; daraus erklären sich die ein-gemischten rohen Zeilen, die zu dem übrigen Inhalt nicht passen.Natürlich bediente sich ein jeder seiner Mundart und Schreib-weise. Das sachliche Wörterbuch (1—12) wird wohl das selb-ständige Werk eines andern gewesen sein, dem sich der Ur-heber der Gespräche anschloss: möglich auch dass dieser esselbst verfasst hatte. Der, welcher in das lateinische Wörter-buch die deutschen Zeilen einzeichnete, behielt was er vorfandbuchstäblich bei und bemühte sich zugleich eine alterthümlicheSchrift darzustellen. Ob er nur einen Auszug aus seiner Quellemachte oder ob er dort nicht mehr vorfand, lässt sich nichtentscheiden, aber jenes dünkt mich wahrscheinlicher, weil wirauch von dem sachlichen Wörterbuch nur den Anfang erhaltenund er bei den Gesprächen mit Zeile 107 vielleicht abbrach,um noch ein Paar Proben aus einer Handschrift Tatians zugeben, in welchen sich keine Spur ungewöhnlicher Sprach-formen findet. Dass ein Fremder, in Deutschland Reisenderdie Gespräche zum Handgebrauch nieder geschrieben habe, wieWaitz (Göttinger Anzeigen 1851 Str. 97. 98 S. 968) annimmt,scheint mir gegen alle Wahrscheinlichkeit zu sein. Waitz er-blickt die Entstellung deutscher (doch wohl hochdeutscher)Laute durch eine fremde Feder, ich dagegen die schwierigeAuffassung der eigenthümlichen Laute einer niederdeutschen