ALTDEUTSCHE GESPRACHE. 481
Glossen schon in dem sechsten Jahrhundert mögen vorhandengewesen sein und ihr Ursprung noch weiter zurückgehen kann.Wahrscheinlich hat man in frühster Zeit noch anderes fürdas tägliche Leben Nothwendige oder Nützliche niedergeschrie-ben , auch wohl in beiden Sprachen. Ein Beispiel gewähren 424die Bruchstücke von Heilmitteln, die Hoff mann aus .Fallers- 12leben auf einem einzelnen Blatt (Vindemia basileensis 1834) auseiner in das Ende des siebenten Jahrhunderts gehörigen Hand-schrift Isidors bekannt gemacht hat. Leicht ist dies nur einkleiner Theil eines grösseren Werks, das man arzätbuochnannte, und dessen Hartmann (Erek 5238), Wolfram (Parzival481, 6), Freidank (59, 21) und Konrad (Pantal. 129. Trojan.Krieg 13597. 13627) gedenken. Ein solches wird in einerHandschrift des zwölften Jahrhunderts dem Hippokrates beige-legt und ist in der Diutisca (2, 269—273) abgedruckt. Auchin der dichterischen Umschreibung von Mosis (Diemer 88, 13)heisst es an den buochen die arzät (1. arzätie) suochen. Eskonnten darin, wie in dem Buch des gallischen Marcellus Bur-digalensis, alte unter dem Volk gebräuchliche Heilmittel ge-sammelt sein. Möglich dass man in früher Zeit auch schonKochbücher hatte; vgl. Wackernagel in Haupts Zeitschrift 5,S. 11—16.
Eigentümlicher Art sind Gespräche, von welchen dieCasseler Glossen wahrscheinlich auch nur ein Stück bewahrthaben, wie unser Denkmal. Es sind Fragen, die der wan-dernde Fremdling, der wohl meist ein Romane war, in Deutsch-land als herkömmlich erwarten konnte, mit den dazu gehörigenAntworten in deutscher und lateinischer Sprache aufgezeichnet.Man musste den ankommenden Fremdling* bei seiner Erschei-nung nicht bloss grüssen, sondern auch nach seiner Herkunftund dem Zweck seiner Reise sich erkundigen. Als Waltherauf seiner Flucht in der Höhle des Wasichenwaldes anjrelano-tist, sendet Gunthari den Camelo an ihn ab, der ihm die Frao-evorlegt, die, homo, quisnam sis, aut unde venis vel quonampergere tendis? 587; vgl. Rudlieb I, 128. Als die Boten Liud-gers und Liudgasts in Günthers Land anlangen, dö fragte mander msere die unkunden man Nibel. 140, 3. Günther grüsst
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