480 ALTDEUTSCHE GESPRÄCHE.
423 Das Summarium ist, wie ich mir vorstelle, auf folgende
11 Weise entstanden. Der Verfasser wollte die meist unvollstän-digen, d. h. nur einzelne Abschnitte umfassenden und häufigverwirrten Wörterbücher, die ihm bekannt waren, in bessereOrdnung bringen. Er legte Isidors Werk zu Grunde, natür-lich mit Auslassung der etymologischen Erläuterungen, die sei-nem Zweck fremd waren, nur VII, 22 sind die Worte estaratio prima, cum adhuc durus est ager, und VIII, 25 caseus,quod careat fero aus Isidor 17, 2 und 20, 2 aufgenommen. Diedeutschen Wörter, so viel er vorfand (auch die drei Hand-schriften zu Trier, Wien und München haben nicht gleichviel), setzte er daneben, rückte Einzelnes, was bei Isidor nichtvorkam, aus anderen Quellen in das entsprechende Capitel einund gab manchmal dem Einheimischen den Vorzug, was einigeUmstellungen veranlasste. Jene vorhin bemerkten, bei Isidorfehlenden Capitel VII, 8. 9 finden sich gerade in den deutschenund zwar von einander unabhängigen Wörterbüchern, VII, 8in den Glossen der heil. Hildegard, wenn auch abweichend,doch entsprechend: VII, 9 in den Casseler Glossen, im Voca-bularius S. Galli (S. 198. 199) und in den Sumerlaten (S. 31").Ob der Verfasser dem Summarium aus eigenen Mitteln etwaszugefügt hat, mag dahin gestellt sein. Dafür spricht nicht, dasser II, 9 de portentis (Isid. 11, 3) sirenes übergeht, währendmeriminnä (Sprachschatz 2, S. 774. 775) zur Hand war. SeinenStandpunkt verräth das letzte Capitel X de interpretatione quo-rundam superius praetermissorum, wo er, was sich in IsidorsSystem nicht einschalten Hess und als verschiedenartig keineigenes Capitel bilden konnte, zusammenstellte und zwar dies-mal, wo alles untereinander lag, alphabetisch nach dem latei-nischen Wort geordnet.
Noch eine Bemerkung sei mir erlaubt, welche die bishe-rige Ansicht von dem Verhältnis zu Isidor geradezu umkehrt.Ich halte es für möglich, ja für wahrscheinlich, dass der Bischofdurch ein schon vorhandenes sachliches Wörterbuch, sei es eindeutsch-lateinisches oder deutsch-romanisches, zu seinen etymo-logischen Untersuchungen ist veranlasst worden. Gewagtesliegt nicht in der Vermuthung, da die Quellen der Casseler