ALTDEUTSCHE GESPRÄCHE. 479
auch zu sagen, dass sie sämmtlich auf Isidors Etymologien zu-rückzuführen seien: ich kann dies nur von den hier noch nichterwähnten, aus wenigen Blättern bestehenden Leipziger Glossen(Haupts Zeitschrift 2, S. 214. 3, S. 116) gelten lassen, wo mansogleich einen Auszug aus Isidor erkennt, dem nur ein Paardeutsche Glossen zugefügt sind. Die Unabhängigkeit der Casse-ler und Wiesbader Glossen habe ich schon bei Herausgabederselben ^argethan, auch bei dem Vocabularius S. Galli ist sieausser Zweifel; vgl. W. Wackernagels Geschichte der deutschenLitteratur S. 27. Es wäre zu verwundern, wenn so früh schonalle Spuren des Zusammenhangs sich sollten verwischt haben.Ich gehe jetzt noch weiter und behaupte, dass auch die übrigenWörterbücher, das Summarium Henrici ausgenommen, keineVerwandtschaft mit dem umfangreichen Werk des spanischenBischofs zeigen, auch dann nicht, wenn man annehmen wollte,wie man sich auszudrücken pflegt, »die Grundlage schimmrenur durch«. Wer selbst nachgesehen und genauere Verglei-chung angestellt hat, wird mir beistimmen. Das Summariumist es auch wohl allein-, das zu jener allgemeinen Behauptungdie Veranlassung gegeben hat. Zunächst hält man sich dabeian die Vorrede, weil sie sich ausdrücklich auf Isidor beruft:allein man hätte auch bemerken sollen, dass die Abtheilungenmit den lateinischen Überschriften, diese bis auf Kleinigkeitenunverändert, dorther genommen sind. Die Folge der Bücherist nicht ganz beibehalten, wohl aber ziemlich genau die Folgeder Capitel, in welche die Bücher zerfallen. Ebenso sind dieeinzelnen Wörter im Ganzen wie dort geordnet. Indessen fehltes auch nicht an Capiteln, die starke Veränderungen erlittenhaben, zumal wo nur das Einheimische, wenigstens nur das inDeutschland Bekannte durfte angeführt werden. Dahin gehörenCapitel, wie II, 16 de piscibus (Isidor 12, 6), III, 7 de herbis(Is. 17, 9), III, 9. 10 de oleribus (Is. 17, 10. 11). Fast ganzanderen Inhalts ist VII, 1 de vocabulis gentium (Is. 9, 2) undVII, 3. 4 de clericis (Is. 7, 12). Ja, es gibt Capitel, die beiIsidor durchaus fehlen, wie VII, 8 de variis officiorum voca-bulis vel operariis und VII, 9 de notis et vitiis in homine, wel-ches gerade das reichhaltigste ist.