Druckschrift 
3 (1883)
Seite
478
Einzelbild herunterladen
 

478 ALTDEUTSCHE GESPRÄCHE.

wo also der Verfasser eine besondere Quelle muss benutzthaben. Endlich begegnet man hier und da Übersetzungen undUmschreibungen, weil kein deutscher Ausdruck sich vorfand,am meisten in dem Abschnitt de composicionibus librorum(S. 37), wo historia schwerfällig erklärt wird ein geschribenrede der getät, als ez geschach, und de dignitatibus secularibus(S. 38) monarcha ein einiger herre über die weit. Aus spä-terer Zeit mag noch manches dieser Art vorhanden sein, wasfür unsere Untersuchung wenig Gewicht hat: so gibt von zweihierher gehörigen Papierhandschriften des fünfzehnten Jahrhun-derts Mones Anzeiger 1837 S. 339. 340 Nachricht.

Nach dem, was ich ausgeführt habe, ist nicht glaublich,dass die ursprüngliche, ich meine die erste Auffassung dieserWörterbücher auf uns gekommen sei: nur Theile davon, freilichwohl die wichtigeren haben sich erhalten. Auch die Ordnungdes Ganzen mag ursprünglich strenger gewesen sein: das Glossarder heil. Hildegard gewährt in dieser Beziehung wohl dasBeste; die seltsame unerklärliche Sprache, in der es abgefasstist, verhinderte Änderungen, Umstellungen und Zusätze. Esbeginnt mit Deus, angelus, salvator usw., geht dann auf mensch-liche Verhältnisse über, und daran schliesst sich das Natur-reich mit seinen Abtheilungen; verirrte Glossen habe ich darinnicht bemerkt. Die Casseler Glossen fangen gleich mit caputan: bis zu Seite H unterbricht auch hier keine ungehörigeGlosse die Ordnung J ); S. H 114 ist ein Satz eingescho-ben, der Verschiedenartiges untereinander wirft. Verwirrungengenug zeigen die Schlettstädter Glossen. Unnöthig ist es, einehinter allen Sammlungen stehende einzige Urschrift anzunehmen:das Bedürfnis kann mehrere von einander unabhängige Auf-422 fassungen hervorgerufen haben; gibt es doch auch eine angel-10 sächsische Sammlung dieser Art (Mones Quellen S. 314. 323),die mit den Vögeln beginnt, wiederum völlig abweichend inder Aufnahme wie in der Folge der Wörter.

Spricht man von diesen Wörterbüchern, so pflegt man

! ) Deshalb scheint es mir unzulässig, das schwierige Wort altee (E 15),das zwischen Fingernamen steht, als eine verirrte Glosse zu betrachten undauf etwas durchaus nicht Dahingehöriges zu deuten. [S. oben S. 468.]