Druckschrift 
3 (1883)
Seite
470
Einzelbild herunterladen
 

470 NACHTRAG ZU DEN CASSELER GLOSSEN.

Ich lasse auch hier eine Stelle Haupts und Wackernagels

Brief folgen.

L[eipzig], 3jan. 1847.Verehrter herr und freund,

an der Verspätung meines dankes für das schöne faesimile ist blossder leidige deurus schuld, der mich durch mancherlei wildnisse umhergeneckt hat und mir doch entschlüpft ist. da sinnen und suchen zunichts geholfen hat, hoffe ich noch auf zufälliges glück, werde aberdas ungethüm im gedächtnisse behalten.

Basel 21. Mai 1848.Geliebter und verehrter Freund,

wie soll ich Ihnen für das Zeichen der Freundschaft danken, dasmir diese Zueignung giebt? Ich will es mir eine Anmahnung sein lafsenmich solcher Liebe und Ehre würdig zu machen; der Eindruck derfreudigen Überraschung, als ich das Titelblatt umschlug, wird mir nochlang in der ersten Frische bleiben. Neben der Freude, die Sie mirbereitet, that mir um so mehr die begleitende Nachricht weh, dass Siedieses Jahr wieder mit Krankheit haben beginnen müfsen: ich bitteGott, er möge Ihnen einmal gründliche Hilfe werden lafsen. Ich habeschon öfter gedacht, ob nicht ein Sommeraufenthalt auf einem unsrerSchweizerberge Ihnen dienlich wsere; dann könnte ich Sie auch bei mireinmal sehen und beherbergen.

Ich habe das schoene, auch so stattlich gedruckte Buch am 1 5 Maiempfangen und es noch am gleichen Tage zum erstenmal und in denfolgenden noch einmal und gründlicher durchgelesen und mich immermehr daran gefreut und gelegentlich das zweite Blatt aufs neue be-trachtet. Darf ich einige Bemerkungen, die mir unterm Lesen ge- |kommen sind, hier niederschreiben? Dal's der undeutsche Theil derCasseler Glossen romanisch und nicht lateinisch sei (23 fg.), ist imGanzen gewifs unzweifelhaft: man sieht das besonders deutlich, wennman den Vocabularius S. Galli und die Wiener Glossen in der Diut. 3,405 dagegenhält, wo das Romanische nur stück- und stellenweise sichgeltend macht und mehr in Worten als Wortformen. Durchweg ro-manisch möchte ich aber jene doch nicht nennen: thalamus z. B.(G a 6) ist doch blofses Gelehrtenlatein, und so vielleicht noch manchesandre. Ein merkwürdiges Gegenstück zu dieser romanischen Sprach-auffafsung und namentlich zu dem Schlufs der Glossen steht in GreithsSpicil. Vatic. 3133: auch ein solches Gesprächbüchlein, aber da istdas Deutsche romanisch gemacht. EIS möchte ich nicht in guinuoluändern: denn gu kann, so viel ich weifs, nur für lat. v u. deutschesw eintreten; das Faesimile erlaubt innuolu zu lesen: das wäre danns. v. a. inuolu, mit derselben Aphaerese des g von genuculum wie im