NACHTRAG ZU DEN CASSELER GLOSSEN. 471
span. ynojo hinojo: vgl. Diez 1, 218. G 1 ' 3 deurus Ronianisierung
desselben tübrucus, von welchem, wenn es wirklich nur eine Bekleidungdes Unterbeines bezeichnet, auch das deutsche deohbruaclt nur eine Um-formung ist. G b 12\sisereol könnte eine Herleitung von sicera (sice-reolum'?) sein. H 14 mih für mihi, wie in der Formel crede mich
Hpt. 2. 191. S. 54: Daumelle, dümelne scheint Schindler 1, 370 undwohl nicht unrichtig als Entstellung von dümmdli zu betrachten: vgl.muntmdli spanmdli gritmdli scritamdli staphmdli; und so würde auch dasnordische thümal in thumalfingr u. thümaltd nicht eigentlich den Daumen,sondern das Daumenmafs bezeichnen. Jemand unterm Daumen habenoder halten heifst: ihn unterdrückt halten; vgl. sub pollice sancti Mau-ricii bei du Cange. Wenn Jemand das fallende Weh hat, glaubtman ihn dadurch zu erleichtern, dafs man ihm den Daumen bricht, d. h.denselben, falls er unter die Finger geklemmt ist, gewaltsam heraus-reifst. Nach einer Stelle Bertholds bezeichnet der Daumen (der rechtenHand), in die Linke gelegt u. von deren Fingern gedrückt, die Zahl60: Schm. 4, 250. Prophetisches Jucken des Daumens in ShakespearsMacbeth .4, 1. Was soll mitti duergi als Übersetzung von minimus di-gitus (Schm. 4, 309)? S. 66 Goldfinger ist doch wohl nur s. v. a. Ring-finger, baugfingr: vgl. goth. figgragulth Luc. 15, 22.
Dieser Excurs über die Fingernamen ist für mich von ganz be-sondrem Werthe, da ich bei Gelegenheit einen nah verwandten überdie Gliedmafse d. h. über die Entstehung der Mafse und Zahlen vonden Gliedern des Menschen aus-[ zuarbeiten denke. Zugleich aber istmir dabei wieder recht lebhaft vor Augen getreten, wie arm an Hilfs-mitteln für all dergleichen Arbeiten ich hier bin. Noch einmal also(denn ich denke, ich habe Ihnen mein Leiden schon geklagt), könnteich ohne zu grossen Nachtheil des Tausches wieder nach Deutschland,an eine Deutsche Universität, ich gienge mit Freuden. Vor einigenWochen ist eine Anfrage der Art von Breslau aus an mich gelangt;es könnte mir in andrem Betracht vielleicht kein Ort so widerwärtigsein als dieses Breslau, dennoch habe ich Ja gesagt. Welch Glückfür mich, wenn ich so nahe bei Berlin, so nahe also bei Ihnen seinkönnte! Aber ich erwarte kaum, dafs bei dem jetzigen Stand derDinge etwas daraus werde, und kann mich auch, eben weil es Breslauist, leichter zufrieden geben, wenn nichts daraus wird.
Und nun noch einmal meinen besten treuesten Dank und meineherzlichsten Wünsche; Gott erhalte mir Sie und Ihre Freundschaft!Auch Ihrem Bruder meine besten Grüsse; ich hoffe mit naechstem zulesen, dafs auch er an den grofsen Volkstag gewählt sei.
Ihr treu ergebener
Willi. Wackernagel Dr.