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3 (1883)
Seite
449
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ÜBER DIE BEDEUTUNG DER DEUTSCHEN FINGERNAMEN. 449

Gegenstand umschliessen. Ebenso beurtheile ich das oben beidem Daumen angeführte haldere: beide mögen zufällig ent-standen sein. Alle diese Bezeichnungen des kleinen Fingersbeziehen sich auf sein Äusserliches und können nicht den eigent-lichen bedeutungsvollen Namen enthalten. Vielleicht steckt erin dem anderen holländischen, schwer zu erklärenden pink.Das Wort, das auch als Femin. pinkje vorkommt, bezeichnet,wie im Englischen und Niederdeutschen (Bremer Wörterbuch 3,S. 318), ein kleines schmales Schiff, einen Kahn: aber Shakes-peare gebraucht es, gewiss im Sinne der Volkssprache, fürmeretrix, und damit stimmt die Nebenbedeutung, die bekannt-lich das lateinische navis hat. Der kleine Finger ist derSchwächliche, weshalb er bei den Griechen [au<d<[>, der nichtweit sehen kann, in Aachen piephans, im Bergischen pieplinggenannt wird: er ist der sich Einschmeichelnde, der listig Umher-kriechende, Verächtliche: »hure« schimpft man einen Feigen.Diebisch mag er auch sein, war doch Mercurius sein Gott, unddie Griechen konnten ihn nur solcher Eigenschaften wegen xocxosnennen. In dem Kindermärchen (St. 20) schliesst er, von derHand abgeschnitten, das Thor des Glasberges auf. Es gibtbei uns Kinderreime, in welchen die anderen Finger sich überAusführung eines losen Streichs besprechen, der Daumen wirdbloss genannt und handelt nicht mit. Darnach isst der Leckergerne Pflaumen: der Lange will wissen wo sie zu holen sind,denn dazu ist er geschickt: der vierte, der Kundige, gibt denWeg an, »wir wollen sie stehlen«: der Piepling, der sichfürchtet, droht er wolle alles beim Vater verrathen. In einerähnlichen Erzählung aus Süddeutschland derselbe Schluss: vondem Daumen ist nicht die Rede, der Lecker fällt (beim Obst-naschen) ins Wasser, der Lange holt ihn heraus, der Arztlegt ihn ins Bett, und der Kleine läuft, um es bei der Mutteranzubringen. Die Namen habe ich zugesetzt, denn bei demVortrag werden sie nicht genannt, sondern mit dem Zeiger derrechten Hand wird auf jeden Finger der linken gedeutet, wiean ihn die Reihe kommt. Dieselbe Erzählung, doch ungenaueraufgefasst, in H. Smids plattdeutschen Kinderreimen S. 34. In 494der dritten, einer Aachner (Idiotikon S. 38), ein anderer Aus- 70

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