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3 (1883)
Seite
446
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446 ÜBER DIE BEDEUTUNG DER DEUTSCHEN FINGERNAMEN.

aus gleichem Grund redet Wolfram (Wilhelm 154, 23) von demungenanden und die Anatomie von dem ungenanten bein (ospubis).*) So umgeht die Thiersage gerne den Namen des Fuchsesund Wolfes, weil sie die bösen Geister der Thiere sind, oderman bedient sich dafür eines mildernden Beiworts, wenn mansie nennen muss, gerade wie es die Menschen mit dem Teufelmachen, den sie auch nicht abbilden wollen. Ich habe fürdiese Benennung des Fingers wie für ihre Bedeutung eine ent-scheidende Stelle. Im Apollonius Heinrichs von Neustadt wirdvon einem Brunnen erzählt, der die Keuschheit der Männerauf die Probe stellte: sie mussten die Hand ins Wasser stecken,und nun ward (1190711909) etlichem swarz diu hant, etlichemder vinger ungenant, disem mer enem ringer: grössere Schuldnimmt der ganzen Hand die Reinheit, kleinere nur dem einenFinger, der die geringste Befleckung nicht erträgt. Dass hierder vierte gemeint sei, kann man nicht bezweifeln, wenn manaus den Nachweisungen bei Pott S. 257. 284. 297 ersieht, wiealt und weit verbreitet diese Benennung ist. Schon imSanskrit heisst er namenlos, anäman**), dann auch bei Chi-

niht ensol nennen: daz tuot verre baz. ich nemies niht: ir wizt wol was.340, 9. die ungenanten wurme (Läuse) mich bizen so die naht. Ms. Hag. 3, 448.diu mich singen tuot, getorste ich die nennen. 3, 417 b . wer si si? sist vonmir ungenennet, des ich ir grozer eide swuor. Neidh. Ben 5, 7. tumber Hutefrage müet mich sere zaller zit, wer diu wol getane si von der ich da singe;ja istz in vil ungesagt. Vgl. Haupts Zeitschr. 6, S. 101. Geltar Ms. 2, 119".hete ich einen lcneht, der sunge lihte von siner frouwen, der müeste die be-scheidenliche nennen mir daz des ieman wände, ez war min wip. Schenk vonLimburg Ms. 1, 58''. wie kume ich verbir daz ich die vil guoten nihtennenne. ich nenne si. »wenne?« müget ir fragen ze hant. jetzent sowirt si genant? nein, ez flieget weder mir noch ir. Ulrich v. WinterstettenMs. 1, 160 b . wan si wirt von mir niht genant. Liedersaal 1.352,35. diseklage tuon ich umbe ein G (Anfangsbuchstabe von dem Namen der Geliebten).Neidh. Ben. 41, 3. der ungenande, des ich nennen nicht entar. Ms. Hag. 3,186". 186 b . 192". 198 b . 209 b . 248 b . Ms. Hag. 2, 107 b ." Carmina burana p. 226.diu mich singen tuot getorste ich sie nennen.* [Zusatz am Schluss des Bandes.]*) * Vgl. Parz. 203, 8. Jung. Tit. 4104 (4152 alt. Dr.) daz ander was behülletmit der vsele von Tesent der siden, daz sich da nimt namen gerne hasle.Hartliebs Buch von der Zauberei vom Jahr 1465 (Mythol. LX) kommt dieBenennung ungenannter Finger vor. *

**) *»angusta-s Daumen [Glied, Handfinger W. Grimm], prades'ini f. Zeige-finger (Wz. dis' zeigen), madymä fem. der mittlere Finger, anämikät der