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ÜBER DIE BEDEUTUNG DER DEUTSCHEN FINGERNAMEN. 445
rechte, Gesch. d. deutsch. Sprache S. 987.% Jungfrauenfinger beiHenisch und Stieler heisst er in verwandtem Sinne, man willdamit seine Unschuld und Reinheit andeuten. Alle diese Namengehen darauf aus, den Goldfinger im Gegensatz zu dem Mittel-finger, auf den man Schimpf und Schande in vollem Masshäufte, als den würdigsten und edelsten hervorzuheben: erist ein Zauberer im wohlthätigen Sinn, er stillt Schmerzenund heilt Krankheit: I er trägt den Ring, wo er das Zeichen^/inniger Vereinigung und hoher Würde ist:—er steht durchdas Blut in näherer Verbindung mit dem- Herzen^ Ausdieser höheren und reineren Natur erkläre ich noch einesehr eigenthümliche Bezeichnung, er hiess nämlich der un-genannte. Der Grund davon wird in späterer Zeit niemanddeutlich gewesen sein, darum kommt dieser Name selten vor;die Aachner Mundart hat daraus Johann gemacht und dieMecklenburger diese Entstellung auf den Zeigefinger übertragen.Man empfindet Scheu, das Heimliche, was vor der Welt sollverborgen bleiben, das Beste und Liebste sowohl als das Böste 491und Widerwärtigste geradezu mit Namen zu nennen: man 67fürchtet es damit an das Tageslicht zu ziehen und dem Blickder Menschen auszusetzen. So durfte, um nur einiges bei-spielsweise anzuführen, der Name eines mächtigen Geistes nichtausgesprochen, nicht niedergeschrieben werden; nur einen Augen-blick erscheint er, wenn ein geheimnisvoller Finger ihn auf dieOberfläche eines reinen Wassers schreibt, wo er gleich wiederverschwindet (Silvester XV. XVI. XX). War es doch unschick-lich den Namen der Geliebten zu nennen, wie schon Waltherwusste * (Lachmann zu 74, 19) *. *) In anderer Richtung, doch
*) »Warum der Namen der Geliebten verschwiegen ward, Unland überWalther S. 14. Wackernagel, altfranz. G-ed. S. 208. Diez, Poesie des Trou-badours S. 149. 150. — Böse Krankheiten nennt man bei den Serben nicht mitdem eigentlichen Namen. Von dem Umlauf (Wurm) am Finger sagt man»die Ungenannte«, die Pest nennt man die Gevatterin. Wack. Genesis 15, 10. 11.daz wir daz niene nennen, da wir mite landen: daz machent sunde, daz unsdaz dunket schände. Lichtenstein 119, 6. ich hän si (eure Gehebte) lange wolbekant, swie ir mirs doch nicht habt genant. Vgl. das Folgende, besonders120, 3 ff. 15, 21. dir ist min frowe ungenant 15, 23. 32 und sicherliehen un-geseit. 509, 31. ob mir von frowen liep geschiht, des liez ich ungern wizzeniht. 578, 27. ez (küssen) tet für war nie niht so wol wan einez, daz man