442 ÜBER DIE BEDEUTUNG DER DEUTSCHEN FINGERNAMEN.
der Volkssprache sich zeigt; ja auch mezygvys in Wales hatnach Pott S. 295 dieselbe Bedeutung. Aber was ist der Grunddieser eigenthümlichen Bezeichnung? Macrobius scheint ihnnicht zu kennen, der doch, wie wir hernach sehen werden,umständlich angibt warum dieser Finger den Ring trägt: Isidorsagt quod eo trita collyria a medicis colliguntur, vielleicht inBeziehung auf eine Stelle bei Celsus 7, 7 inungere oculumcollyrio, wozu man sich dieses Fingers bedienen mochte. He-nisch drückt es etwas allgemeiner aus, medicus dictus quodprisci medici miscerent eo pharmaca. Eine Hinweisung aufden heilbringenden Arzt in dem Namen zu finden ist ganznatürlich, aber wir dürfen den Grund tiefer suchen als in dieseräusserlichen Verwendung des Fingers bei der Zubereitung oderdem Gebrauch der Arznei. Besonders begabte Menschen ver-mögen durch Auflegung der Hand oder durch Bestreichen da-mit Krankheiten zu heilen, das ist ein ebenso alter als weit-verbreiteter Glaube *). Nichts natürlicher als die Vermuthung,dass man nicht bloss der ganzen Hand sondern auch einzelnenFingern diese geheimnisvolle Kraft beilegte, gerade wie dieGriechen sie einigen idäischen Fingern zuschrieben; wir habenschon gesehen dass man ebenso bei Betheuerungen die ganzeHand, aber auch zwei Finger aufhob oder nur einen einzigen.Hier ist es der lähhi, der nicht vorragt wie der mittelste, son-dern geschützt zwischen zwei anderen liegend seine heilendeKraft bewahrt. Heidnisch betrachtet war der lähhi ein Zauberer,wofür noch im Mittelalter läohensere, lächenserinne galt; vgl.Deutsche Mythologie S. 989. 1103. 1116 — 1117. Als dieser Begriffsich nicht mehr halten konnte, im neunten Jahrhundert, nahmman dafür ein fremdes Wort auf, das aus archiater gebildete489 arzät; vgl. Wackernagels Vocabularius optimus S. 7. Ich will65 eine Stelle anführen, die auf diese Weise genaueres Verständniserhält: in Gottfrieds Tristan, da wo der heimliche Verkehr der
*) * si machte flizecliche sän mit dem vinger sin aderslän Eracl. 3034.dö tet er (Christus) mir anders niht wan daz er speicheln twar üf der erdeund mir dar daz her mit dem vinger streich. Urstende 110, 23 — 26. Wateist arzät von einem wilden wibe. Gudrun 529, 3. Eracl. 2989—2993. Sonstpflegen die Kinder bei ihrer Geburt mit dem vierten Finger ihrer beidenHände sich die Nasenlöcher zuzuhalten. Gesser chan von I. J. Schmidt S. IG.*