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3 (1883)
Seite
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440 ÜBER DIE BEDEUTUNG DER DEUTSCHEN FINGERNAMEN.

in dem niederdeutschen nagtmaar nagtmoor, englischen night-mare, holländischen nachtmaer, französischen cauchemar, derdie Menschen im Schlaf drückt, vorhanden ist? Dann wäre lanc-mar als impudicus nicht zu bezweifeln: heisst doch der Incubusbei Ducange auch fornicarius. Daneben zeigt sich ein Femin.märe, zwar erst in einer Stelle aus dem fünfzehnten Jahr-hundert (Sprachschatz 2, S. 819) und dann noch bei StielerS. 1242: aber es war schon in dem angelsächsischen masre unddem altnordischen mara bekannt; man vgl. die deutsche My-thologie S. 433, wo noch S. 1194 maira nocturna beigebrachtwird. Narrenfinger, allein bei Stieler, erklärt sich aus derSitte einem den gecken zu stechen, womit man einen höhnte:487 es war die bei impudicus beschriebene Gebärde, das Ausstrecken63 des Mittelfingers oder des Daumens, wie Stieler S. 631 nach-weist. Etwas Ähnliches muss metzgerfinger bei Henisch undStieler bedeuten: ich kann es sonst nicht verstehen. Er istauch wohl der leide vinger, womit der Zornige den anderenim Gesicht verletzte, Fragm. XXII, 199 201 nach ir (derTochter) liehten wangen begunde diu muoter zwangen mit irleidem vinger.

Ich will hier, wo wir lancmar als bösartigen Alp erkannthaben, ein Paar weiter gehende Fragen aufwerfen. Waren ur-sprünglich auf jeden Finger Natur und Kräfte eines kleinengeisterhaften Wesens übertragen? Wir haben es schon deutlichbei dem Däumling bemerkt, Hinweisungen darauf auch bei demLecker: wir werden es bei den zwei letzten wieder finden. DieGriechen nahmen an (Ettmüller [Echtermeyer?] S. 7. PottS. 290. 291), jeder Finger sei einer anderen Gottheit heilig, odernoch bestimmter, sie legten jedem der fünf idäischen Finger, dieals mythische Wesen galten, einen besonderen Namen und einebesondere Heilkraft bei. Daraus folgt die zweite Frage, leitensich die ursprünglich immer bedeutungsvollen Eigennamen derFinger von solch einem Zusammenhang ab? Nichts natürlicher alsdass daneben andere bestehen, die auf äussere Eigenschaften und

* Führt in den malbergischen Glossen der Mittelfinger den Namen taphano(Zapfhahn) von einer Ähnlichkeit mit einem Zapfen? Über Sehenken undGeben S. 6 Anm. 1, doch s. zu Merkels lex sal. XLI. *