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3 (1883)
Seite
439
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ÜBER DIE BEDEUTUNG DER DEUTSCHEN FINGERNAMEN. 439

eines Kinäden bezeichnen; ausführlich darüber handelt Echter-meyer S. 21 folg. Damit ist die eigentliche Bedeutung vonimpudicus angegeben: sie wird noch in anderen Benennungenzum Vorschein kommen. Zwar das altfriesische thi langesta 486iinger, in den Gesetzen Wilhelms des Eroberers (Schmid S. 178) G2lunc dei, bei Melber der allerlengste, entsprechend dem latei-nischen, schon durch Plinius bekannten und in der lex Ala-mannorum 65, 18 gebrauchten longissimus, scheint natürlich undunverfänglich: nicht so das aus den Trierer Glossen allein be-kannte lancmar. Das zweite Wort der Zusammensetzung istschwer zu deuten; man könnte geneigt sein lancman zu lesen,zumal in den Mundarten langmann langmännchen vorkommt:allein mar ist doch fest zu halten, da wir in Holstein langeMarje finden, was merkwürdiger Weise mit garre Marre langeMarie bei den Letten (Grammatik 3, S. 404) übereinstimmt.Das holsteinische lange maak soll wohl »langer Vetter« heissen,und scheint ebenfalls daraus entsprungen; * Langmac ist einFamiliennamen in Pommern. Homeyer mündlich*: noch nähersteht langmeier, das auf ähnliche Weise das unverständlicheWort zu erklären sucht. Das hessische langhals ist an sichdeutlich: das pommersche langluchs würde der lange Betrügerheissen, denn Luchs luchsen und beluchsen in diesem Sinne istbekannt und besonders in Norddeutschland, wie in Scandinaviengebräuchlich: es könnte aber auch langfuchs verbergen wollen. 'Die unsaubere Benennung, die Henisch und Stieler anführen,ist a verrendo podice abzuleiten, worüber Echtermeyer S. 22nachzusehen ist. Bei allen diesen Namen lässt sich eine unan-ständige oder unzüchtige Bedeutung nicht bezweifeln, die dasholländische schaamvinger, das ist der, welcher sich schämenmuss, deutlich ausspricht; sie lag nahe, wird doch in der an-stössigen Erzählung von der Birne 384, * öfter in den Fast-nachtspielen des 15. Jahrhunderts (99, 14. 154. 168, 28. 242, 31.313,7. 708,2. 717,11)* der eilfte vinger ganz unzweideutiggesagt: auch eine andere Stelle bei Neidhart (40, 8 Beneke,Ms. Hag. 3, 218", 256 a ) ist dahin auszulegen. Dies führt michzu dem dunklen lancmar zurück: wie wenn wir in dem zweitenWort das seltene mar (mär?) incubus wiederfänden, das noch