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3 (1883)
Seite
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ÜBER DIE BEDEUTUNG DER DEUTSCHEN FINGERNAMEN. 437

es wahrscheinlich dass man schon in früherer Zeit die beidenFinger, ohne ein Heiligthum zu berühren, emporhielt; vgl.Rechtsalterthümer S. 903. Gottes Hand bedeutet seine Allmacht,Nibel. 1513, 9 im (dem ins Wasser Geworfenen) half diu goteshant, er heisst die höchste hand (Goldne Schmiede XXXIII),und |wir bezeichnen sein höheres Walten durch den biblischenAusdruck Gottes Finger: aber wir erheben den Zeigefinger,wenn wir gebieten und Aufmerksamkeit für das Gebot fordernwollen. Auch dafür kann ich ein Zeugnis aus älterer Zeit bei-bringen, Pilatus 391394 also sere er si dwanc daz sin ougen-wanc und sin vinger gebot an ir lip und an ir tot; * Gottfr.Tristan 2840 swie so du vor gebiutest und mit dem vingerdiutest, * gerade so sagt man im Französischen etre servi audoigt et ä l'oeil. Ist daher der Finger der Gibellinen, wieHenisch ihn nennt, abzuleiten? Oder trugen die Gibellinen denRing, das Zeichen der Macht, an diesem Zeiger? Ferner winkenwir mit dem Zeigefinger, auch wohl mit der ganzen Hand: imMittelalter reden die Stellen, die ich kenne (Gudrun 1483, 3.Strickers Daniel 6375. Passional 346, 82. Morolt 1, 1952),nur von der Hand: der Renner 4428. 9627 sagt die vingerwinkent. * Tundalus 46, 1 winken mit dem vinger als Liebes-zeichen. Heinz v. Rotenstein (Lieders. 2. S. 646, 330) si winkteim hin mit der hant. Johannes baptista (Fundgr. 2) 14037er winkte in mit dem vinger. * Bekannt war bei den Römerndas Zeichen, womit man Stillschweigen gebot, man legte denZeigefinger auf den Mund des anderen, auch auf den eigenen(Echtermeyer S. 1618): für die gleiche Sitte bei uns zeugteine Stelle aus dem Ende des zwölften Jahrhunderts in demheiligen Ulrich von Albertus 648651 er legete in den vingerüber den munt, da mite tete er in kunt daz sie ez nieman 485wolten sagen noch künden solten. * Apollon. 17046 ein swigen 61er mit der hant bat. * Es ist noch ein Name des Fingers inden Volkssprachen übrig, der, wie fast alle diese, nur beiKindern gilt, botterlicker der die Butter wegleckt, pütjenlickerder aus dem Topf leckt, auch leckmännchen leckfeng oder leckerallein: althochdeutsch heisst leckäri gulosus. Er bezeichnet dieheimliche Naschhaftigkeit (»wir werden unten S. 69 [= S. 449]