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3 (1883)
Seite
429
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ÜBER DIE BEDEUTUNG DER DEUTSCHEN FINGERNAMEN. 429

Männer verblüfft waren. Der Daumen fiel ihnen in die Hand.Aber das ist bekannt, dass dem welchem der Daumen in dieHand, doch nicht immer das rechte Wort in den Mund fällt«. *Übrigens ist manchmal die Gebärde insoweit verschieden dassder, welcher Glück sucht, den eigenen Daumen ausstreckt undvon dem Freunde fassen lässt, was auf einem anderen Ver-ständnis des Sprichworts beruhen mag. Wenn aber Orgelusezu Gawan im Parzival 599, 8 höhnisch sagt: lät iu den vingerziehen * Pfalz. Hs. 341, Bl. 75 (2 b ) den krumben vinger recke*,so soll das heissen »lasst euch erst den Finger gerad ziehen«,ehe ihr in den Kampf geht.Ii Verwandt ist eine andere, zumalunter den Völkern romanischer Abkunft verbreitete Redensart,einem die feige weisen (* Ms. Hag. 3, 466'' swenn ieglich mansins herzen liep mit sänge zieret, wsen ich sam si bietent mirdievigen*), welche neuerdings in der Übersetzung des Penta-merone von Franz Liebrecht 2, S. 266276 ausführlich ist er-läutert worden, und worüber schon Echtermeyer S. 37. 38manches Belehrende beigebracht hat. j Die Gebärde ist ver-schieden, denn man lässt dabei die zwischen den Zeige- undMittelfinger vorgestreckte Spitze des Daumens sehen, währenddieser hier, von den vier Fingern völlig bedeckt, im Verborgenenfest gehalten wird. Man könnte vermuthen, dass absichtlicheÄnderung das Rohe und Anstössige meiden wollte, aber ich haltedie Verschiedenheit für ursprünglich: denn dort soll böseZauberei zurückgeschreckt oder ihre Einwirkung gelähmtwerden: bei dem j Daumen haltgji. will man, scheint es, denDäumling gefangen nehmen, damit er das herannahende Glücknicht stören oder vertreiben kann. Auch die viel besprocheneStelle bei Plin. nat. bist. 28, 5 pollices, cum faveamus, premereetiam proverbio jubemur, wird am natürlichsten vom Festhaltendes Daumens erklärt und gewährt zugleich ein Zeugnis für dashohe Alter unseres SprichwortsT? Ich habe den Finger vorhinDäumling genannt, wie er scfron in einem altschwedischenGesetz und jetzt in Niederdeutschland, Achen und Schlesienheisst, und wovon der heutige Begriff eines von einem Hand-schuh abgeschnittenen Überzugs des Daumens nur abgeleitetist: ich habe das Wort absichtlich gebraucht, weil ich damit