428 ÜBER DIE BEDEUTUNG DER DEUTSCHEN FINGERNAMEN.
das heisst nicht, wie Ettmüller S. 349 erklärt, »macht eineFaust, seid strenge«, sondern »leistet einander Beistand, seideinander gewogen, sichert euch Glück«. «Ich bestreich michall morgen mit eim daumen das mich kein poser wint an we.Fastnachtspiegel 274, 28. * Man pflegt, wenn man bei einemSpiel sein Glück versuchen will, wie ich in Hessen und denMaingegenden selbst gehört habe *), einem anderen, den mansich geneigt glaubt, häufig Kindern, die noch unschuldig sindund die ja auch die Lose aus dem Glücksrad holen müssen,eifrig zuzurufen: halt mir (zu meinem Vortheil) den Daumen:dann steckt der freundlich Gesinnte den eigenen Daumen unterdie anderen vier Finger und drückt sie fest zusammen. *Burkartvon Hohenvels Ms. 1, 88 b . nü sint doch gedanke fri, daz dienieman überwindet, ich hän funden mir ein spil. daz (des Ms.Hag. 1, 208 a ) mir minen vinger bindet, so wünsch ich dochswaz ich wil. Gottfr. Tristan 275, 22—25. ein kleinez snüre-lin von wizen berlln ingetragen, da haste die scheene ingeslagen ir dümen von der linken hant.* Stieler führt S. 283dasselbe Sprichwort an, einem den Daumen halten und über-setzt favere alicui, adjuvare aliquem, und Schmeller (1, S. 370)gibt noch eine deutlichere Fassung * halt'n dame fest dassi e glück hab *, halt mir den Daumen dass ich ein Glückhabe. * Man spricht auch nur den Wunsch aus, ohnedass der Daumen wirklich gehalten wird. * Die alte Sitte des479 Schrenkens der Daumen, von der Haltaus S. 220 spricht, und55 die statt fand, wenn Freunde sich zum neuen Jahr Glückwünschten, war ohne Zweifel dasselbe. * Wenn -zwei sich überetwas vereinigen, eine Verabredung treffen, so berühren sichbeide mit dem Daumen oder stossen ihn gegen einander. Zu-weilen schlägt ein anderer durch die Daumen. So in Pommernnach Homeyers mündlicher Äusserung. Wurst wider Wurst, einewahre Geschichte erzählt von Jeremias Gotthelf im Volkskalendervon Karl Steffens 1847 S. 52: »Wir müssen sagen dass .... alle
*) * Auch in Pommern Homeyer mündlich. Um die Wirkung recht kräftigzu machen, hält man mit jeder Hand den Daumen fest, um dem Abwesenden,der um den Beistand gebeten hat, in dem Augenblick der Entscheidung dengünstigen Ausschlag zu sichern. Frl. Dedokind aus Braunschweig 1850.*